Peru: Wasser, Landbau, Bäume

22.05.2026

15 neue Gemeinden der Hochanden lernen in Zusammenarbeit mit ACICA, den rauen Bedingungen der Bergwelt und den Folgen des Klimawandels durch Wassermanagement, organischen Anbau und Wiederaufforstung zu trotzen. 

El Capulí ist eine Gemeinde in den nördlichen Hochanden Perus im Distrikt San José Sabogal. Sie liegt mehr als 3.500 Meter hoch. Die nächste größere Stadt, San Marcos, ist nur über Schotterpisten erreichbar. 36 Familien, insgesamt 117 Personen, leben hier von dem, was sie selbst produzieren können. Doch das wird immer weniger. Das Wasser wird knapper, die Vegetation dünner, und die starken Winde blasen die dünne Humuskrume weg. 

Die Familien hörten von der Arbeit unseres Partners Asociación Civil Caminando (ACICA) in benachbarten Distrikten. Dort haben 25 Gemeinden in den letzten Jahren ihre Lebensbedingungen grundlegend verbessert. Die Menschen von El Capulí baten ACICA um einen Platz auf der Warteliste für zukünftige Zusammenarbeit. Aufbauen, was die anderen Gemeinden erreicht haben, ist ihr neues Ziel. Nun kann es Realität werden. El Capulí ist eine von 15 neuen Gemeinden, die sich aufmachen, mit ACICA in einem dreieinhalbjährigen Projektzyklus zusammenzuarbeiten.

Praktische Feldschulen vermitteln umsetzbare Lösungen 

Gelernt wird vor allem auf den Feldern oder am Bau. Und dies ganz praktisch und im gemeinsamen Tun. Auf dem Programm stehen alle Themen, die für die Bergbäuer*innen eine Herausforderung darstellen: Wasser, Methoden des organischen Anbaus, organische Düngung statt des Einsatzes von Agrochemikalien und die nachhaltige, artgerechte Tierhaltung.

Eine Frau hält lächelnd einen Baumsetzling in den Armen. Hinter ihr sind vor einer Bergkulisse weitere Menschen und Setzlinge zu sehen.
Auch durch Wiederaufforstung bauen die Gemeinden neue Grundlagen auf.

Umweltbewusstsein und der schonende Umgang mit Ressourcen wird auch im Rahmen der Wiederaufforstung mit einheimischen Pflanzen geschult. In allen Gemeinden werden Wassertanks, Zisternen und kleine Staubecken für die Sammlung von Wasser aufgebaut. Neue Systeme zur Tröpfchenbewässerung machen den ganzjährigen Anbau von Gemüse, Mais, Kartoffeln und anderen Knollenfrüchten möglich. Die 15 Gemeinden, die jetzt ihren Projektzyklus beginnen, können sich erfahrungsgemäß nach dreieinhalb Jahren zuverlässig und ausgewogen ernähren. Die Vegetationsdichte um ihre Dörfer wird steigen und Insekten, Kleintieren und Vögeln neue Lebensräume bieten. 

Mit einem Austauschprogramm baut ACICA nun ein Netzwerk in den Hochanden auf, bei dem Bergbäuer*innen unabhängig von ACICA Rat und Unterstützung finden können. Bergbäuer*innen, die in dem letzten Projektzyklus herausragendes Wissen oder Praktiken gezeigt haben, werden dafür als Modellbäuer*innen die neuen Dörfer besuchen und ihr Wissen teilen. Gleichzeitig laden sie die neuen Gruppen in ihre Dörfer ein. So können sie ihnen zeigen, was sie dank der Schulungen und ihrer Arbeit erreicht haben. 

ACICAs Erfolg: neues Wissen ist tief in den Praktiken verwurzelt 

ACICAs Mitarbeiter*innen sind stolz auf das, was sie in den letzten Jahren mit den Hochandengemeinden erreicht haben. Sie versuchen, ihren Ansatz und ihre Schulungsprogramme immer weiter zu verbessern. 

Am meisten freut sie, dass die Erfolge tief im Bewusstsein und in den täglichen Praktiken der geschulten Bergbauernfamilien verwurzelt sind. So verbreiten sich die Geschichten ihrer Erfolge von einer zur anderen Gemeinde. 

Ein Mann steht vor einer Berglandschaft unter einem großen Bogen aus Zweigen und einem Schriftzug, das zum Agrar-Festival von ACICA willkommen heißt.
ACICA-Gründer Víctor Acosta Sánchez auf dem Agrarfestival, mit dem ACICA und die Gemeinden ihre gemeinsamen Erfolge feiern.

Für Schulungen und Investitionen in Infrastruktur sind 2026 rund 85.000 Euro notwendig. Pro Familie sind dies rund 170 Euro. Ihre Spende wirkt dank der Förderung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit vierfach. 

Mehr zu ACICA

Die Asociación Civil Caminando – ACICA ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 2009 in der Stadt San Marcos in der Region Cajamarca tätig ist. Sie engagiert sich mit nachhaltigen Landwirtschafts- und Gemeindeentwicklungsprojekten in den Bergbauerndörfern rund um San Marcos. Abholzung und veränderte Niederschlagsmuster vermindern die Fruchtbarkeit der Böden und die landwirtschaftlichen Erträge sinken stetig. ACICA verbindet traditionelles Wissen mit modernen Methoden des organischen Landbaus, um diese weit abgelegenen, teilweise nur mit Pferd oder Muli zu erreichenden Gemeinden verbesserte Anbautechniken zu vermitteln. Der Lehrplan von ACICA ist auf diese Lebensbedingungen abgestimmt: Kombiniert wird der Aufbau kleiner Staubecken, um Wasser zu sammeln, mit organischem Landbautraining, Wiederaufforstung und Verbesserung der Kleintierzucht, insbesondere von Meerschweinchen. ACICA wird bisher von einem Team von acht Voll- und Teilzeitkräften sowie Honorarkräften betrieben. Sechs der Mitarbeiter haben eine Ausbildung und/oder langjährige Erfahrung in nachhaltiger Landwirtschaft, eine Mitarbeiterin ist in Buchhaltung und Finanzmanagement qualifiziert. Der Großteil der Mitarbeiter*innen kommt aus der Region. Durch Training, Investitionen und Umsetzungsbegleitung unterstützt ACICA zurzeit zwölf marginalisierte Gemeinden, in denen etwa 4.100 Menschen leben.

Víctor Acosta Sánchez, Direktor der Asociación Civil Caminando (ACICA), besuchte dank der Unterstützung und Ermutigung eines deutschen Priesters eine Schule in der Provinz San Marcos, die er aus seinem Heimatdorf Licliconga über lange Fußwege in den Hochanden erreichte. Seinen ersten Uni-Abschluss erreichte er an der Nationalen Universität von Cajamarca, fügte später einen Master in Entwicklungspolitik und –planung hinzu und promovierte schließlich im Bereich Umweltmanagement. Zudem war er Führer einer der "Rondas Campesinas", selbstständige Bauernorganisationen im ländlichen Peru, die ursprünglich als Selbstverteidigung gegen Diebstahl, insbesondere von Rindern, konzipiert waren. 2008 lernte er Dr. Annette Massmann von der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung kennen. Zusammen besuchten sie verschiedene Gemeinden in der Provinz San Marcos. Nach diesen Besuchen gründete Víctor Acosta Sánchez 2009 zusammen mit anderen Bauernführern ACICA. Er ist stolz darauf, mit ACICA und lokalen Bäuer*innen in ländlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten, vor allem wegen ihrer ambitionierten Ziele: dem Schutz von Land, Wasser, Flora, Fauna und Luft.

Mehr zum eindrucksvollen Lebensweg von Víctor Acosta Sánchez gibt es hier.

Ein Leben für Perus Bergdörfer

Víctor Acosta Sánchez berichtet von seinem eindrucksvollen Lebensweg, der ihn aus einem abgeschiedenen Bergdorf über mehrere Studienabschlüsse bis zur Leitung der wichtigsten Institution für die Bäuerinnen und Bauern der Region Cajamarca führte. Bis heute hat sich der Gründer von ACICA der ökologisch, ökonomisch und sozial tragfähigen Entwicklung der Bergdörfer verschrieben.

Der Weg von Víctor Acosta Sánchez

Spendenzweck

Peru: Wasser, Landbau, Bäume F350