Kenia: Wiederaufforstung, Naturerhalt und Bildung

22.05.2026

Ein Schulungszentrum für Wiederaufforstung und Naturschutz für die junge Generation sorgen im kenianischen Lusoi für den Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen. Etwa durch Regen, der mit den Bäumen zurückkehrt.

Lusoi, Kenia, im Jahr 2011. Stiftungsvorständin Dr. Annette Massmann ist mit SACDEP-Gründer Joseph Ngugi Mutura unterwegs. Sie legen einen Zwischenstopp ein, weil Joseph Ngugi Mutura ihr ein Gebiet zeigen möchte, in dem SACDEP (Sustainable Agriculture Community Development Programme) unbedingt mit den Gemeinden arbeiten will. Er spricht von einem „forest reserve on a hill“, also einem Waldreservat auf einem Hügel. Oben angekommen, haben sie rundum freie Sicht. Wald ist weit und breit nicht zu sehen. 

Das war nicht immer so: In den 70er- und 80er-Jahren lebten im Unterholz der riesigen Bäume und Büsche von Lusoi Zebras, Nashörner, Antilopen, Büffel und Elefanten. Mit der Ansiedlung bäuerlicher Familien wurde der Hügel nach und nach entwaldet. Als 2010 eine Dürre die Gemeinden am Hügel in Not versetzte, organisierte SACDEP Lebensmittelspenden. 

Ein grüner Wald umgibt ein abgezäuntes Grundstück mit einem großen und weiteren, kleinen Gebäuden.
Bäume und Büsche lassen den Lusoi-Hügel rund um das Schulungszentrum wieder ergrünen.

Auf Nothilfe folgt der Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen 

Diese Nothilfe war der Anfang der Zusammenarbeit. SACDEP schulte die Gemeinden fortan in organischem Landbau, Forstwirtschaft und dem Aufbau von Kleingewerbe. Die Gemeinden gewannen neue Lebensgrundlagen. Diese hängen vom schonenden Umgang mit der Natur ab. Deshalb errichtete SACDEP auf der Kuppe des Hügels ein Schulungszentrum für Wiederaufforstung und zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Schüler*innen lernen hier, wie Wiederaufforstung und Naturerhalt ineinanderfließen und was Bäume mit Regen zu tun haben, der hier viel zu wenig und unregelmäßig fällt. Das motivierte die Jugendlichen, an ihren Schulen Umweltclubs zu gründen. Zwölf sind bereits entstanden, zehn Schulen haben Baumschulen aufgebaut. Die Jugendlichen tragen Umweltbewusstsein in die Gemeinden und laden ihre Eltern und Nachbar*innen zu Aktionstagen ein, an denen sie gemeinsam Plastikmüll sammeln oder Bäume pflanzen. 

Umweltschutz in gemeinsamer Verantwortung 

Jede Gemeinde am Fuße des Hügels wählt eine Vertretung für die Gemeindewaldvereinigung. Diese erarbeitet gemeindeübergreifende Flächennutzungspläne zur nachhaltigen Nutzung. Sie überwacht die Einhaltung der Pläne und legt fest, welche Strafen es beispielsweise für das Schlagen von Feuerholz gibt. Heute treiben die Familien der umliegenden Gemeinden keine Tiere mehr zum Weiden auf den Hügel; vielmehr wird gemäht und das Gras zu den Tieren gebracht. 

Gleicher Ort, anderes Bild: Der Wald ist zurück! 

Im Jahr 2025 stehen die beiden Protagonisten wieder auf dem Hügel von Lusoi. Inmitten von bis zu vier Meter hohen Bäumen zwitschern Vögel. Die Menschen sichten wieder Elefanten, Antilopen, Hasen und Leoparden. Auch eine Analyse des kenianischen Forstdienstes vom Mai 2025 bestätigt: Mehr als die Hälfte des Hügels ist renaturiert, und auch der Rest erholt sich! Am Fuße des Hügels bildete sich ein kleiner See. Damit das so weitergeht, wollen die Gemeinden die Flächennutzungspläne überarbeiten. Weil heute mehr natürliche Ressourcen verfügbar sind, muss abgestimmt werden, was genutzt werden darf. Dringend sind auch Reparaturen am Solarelektrozaun notwendig, der Zusammenstöße zwischen Menschen und Wildtieren rund um das Schulungszentrum auf der Hügelkuppe verhindert. 

SACDEP möchte hier in diesem Jahr 750 Schüler*innen in die Naturschutzarbeit einführen und neu gegründete Umweltclubs mit 1.500 Bäumen für Pflanzungstage ausstatten. Für Trainings und Baumpflanzaktionen, die Überarbeitung der Flächennutzungspläne und Reparaturen am Solarzaun braucht SACDEP 2026 insgesamt 15.000 Euro. Pro Schüler*in sind dies 20 Euro.

Mehr zu SACDEP

Afrika ist ein reicher Kontinent, der sich selbst versorgen kann. Das sind Vision und Motto der Arbeit von Joseph Ngugi Mutura. Er startete die Organisation Sustainable Agriculture Development Programme (SACDEP) und damit die Förderung kleinbäuerlichen organischen Anbaus in Kenia: mit geringen Eingangskosten auskommen, auf natürliche Kreisläufe setzen, den Menschen Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität wie auch Einkommen ermöglichen – und die Natur erhalten. 1993 waren es die ersten 300 Bäuer*innen, heute arbeiten die 56 Mitarbeitenden jährlich mit wenigstens 12.000 Menschen in vier klimatisch unterschiedlichen Regionen: im Osten, in der Zentralregion, an der Küste und im Rift Valley. Rund 2,2 Millionen Menschen profitierten inzwischen von dieser Arbeit. Um das Erfahrungswissen in weitere Kreise tragen zu können, startete SACDEP das College für Nachhaltige Landwirtschaft für Ostafrika.

Seit der Gründung von SACDEP ist die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung der strategische Partner der Organisation.

Ngugi Joseph Mutura gründete 1993 die Organisation Sustainable Agriculture Community Development Program (SACDEP), die er bis heute leitet. Seine Vision: Ein hungerfreies Afrika. Ngugi Joseph Mutura prägte einen ganzheitlichen, ressourcenorientierten Ansatz von Entwicklungszusammenarbeit, der auf Selbstermächtigung und Gemeinschaftsbildung setzt.

Spendenzweck

Kenia: Wiederaufforstung und Bildung F283