Kenia: Wiederaufforstung, Naturerhalt und Bildung

26.08.2026

Ein Schulungszentrum für Wiederaufforstung und Naturschutz für die junge Generation sorgen im kenianischen Lusoi für den Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen. Etwa durch Regen, der mit den Bäumen zurückkehrt.

Lusoi, Kenia, im Jahr 2011. Stiftungsvorständin Dr. Annette Massmann ist mit SACDEP-Gründer Joseph Ngugi Mutura unterwegs. Sie legen einen Zwischenstopp ein, weil Joseph Ngugi Mutura ihr ein Gebiet zeigen möchte, in dem SACDEP (Sustainable Agriculture Community Development Programme) unbedingt mit den Gemeinden arbeiten will. Er spricht von einem „forest reserve on a hill“, also einem Waldreservat auf einem Hügel. Oben angekommen, haben sie rundum freie Sicht. Wald ist weit und breit nicht zu sehen. 

Das war nicht immer so: In den 70er- und 80er-Jahren lebten im Unterholz der riesigen Bäume und Büsche von Lusoi Zebras, Nashörner, Antilopen, Büffel und Elefanten. Auch Warzenschweine und Pythons waren hier heimisch; Elefanten nutzten den Wald einst als Entbindungsstation. Mit der Ansiedlung bäuerlicher Familien wurde der Hügel zwischen 1980 und 2011 nahezu vollständig entwaldet. Das Grundwasser sank, viele Wildtiere verließen Lusoi.

Ein grüner Wald umgibt ein abgezäuntes Grundstück mit einem großen und weiteren, kleinen Gebäuden.
Bäume und Büsche lassen den Lusoi-Hügel rund um das Schulungszentrum wieder ergrünen.

Auf Nothilfe folgt der Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen 

Als 2012 eine große Dürre die Region in Not versetzte, organisierte SACDEP Lebensmittelspenden. SACDEP verteilte innerhalb 30 Tagen mehr als 100 Tonnen Lebensmittel an rund 3.000 Familien. Diese Nothilfe war der Ausgangspunkt einer langfristigen Zusammenarbeit mit den Gemeinden. SACDEP schulte die Menschen fortan in organischem Landbau, Forstwirtschaft und dem Aufbau von Kleingewerbe. Die Gemeinden gewannen neue Lebensgrundlagen. Diese hängen vom schonenden Umgang mit der Natur ab. 

Deshalb errichtete SACDEP auf der Kuppe des Hügels ein Schulungszentrum für Wiederaufforstung und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Schüler*innen lernen hier, wie Wiederaufforstung und Naturerhalt ineinanderfließen und was Bäume mit Regen zu tun haben, der hier viel zu wenig und unregelmäßig fällt. 

Das Schulangebot hat Wirkung: Bis November 2025 hatten bereits 2056 Schüler*innen und junge Erwachsene an den Umweltschulungen teilgenommen. Von Januar bis Juli 2026 kamen 242 Lernende dazu. Die Jugendlichen tragen das Wissen in ihre Schulen und Gemeinden. Drei Umweltclubs wurden 2026 dabei unterstützt, an ihren Schulen eigene Baumschulen einzurichten; dort wachsen inzwischen 30 verschiedene heimische Baumarten.  

Umweltschutz in gemeinsamer Verantwortung 

Heute treiben die Familien der umliegenden Gemeinden keine Tiere mehr zum Weiden auf den Hügel; vielmehr wird gemäht und das Gras zu den Tieren gebracht. 

Die Wiederherstellung des Lusoi-Hügels gelingt durch das Zusammenspiel vieler Akteur*innen. SACDEP arbeitet mit dem Kenya Forest Service (KFS), der Community Forest Association (CFA) und den umliegenden Gemeinden zusammen. Gemeinsam setzen sie auf partizipative Waldbewirtschaftung und schützen das Gebiete vor weiterer Übernutzung.

Eine besondere Herausforderung war die lange Trockenperiode im ersten Halbjahr 2026. Um den wiederhergestellten Wald vor möglichen Waldbränden zu schützen, legten SACDEP, die Community Forest Association und der Kenya Forest Service einen vier Kilometer langen und sieben Meter breiten Brandschutzstreifen an. Während der Trockenperiode kam es zu keinem Waldbrand. 

Auch die Umweltbildung geht weiter: Schüler*innen und junge Erwachsene lernen im Nature Conservation Environmental Education Facility (NCEEF) direkt am wiederhergestellten Wald, wie sie selbst zu Schutz der Umwelt beitragen können. 

Gleicher Ort, anderes Bild: Der Wald ist zurück! 

Im Jahr 2025 stehen die beiden Protagonisten wieder auf dem 259,5 Hektar großen Lusoi-Hügel. Inmitten von bis zu vier Meter hohen Bäumen zwitschern Vögel. Die Menschen sichten wieder Elefanten, Antilopen, Hasen und Leoparden. Auch eine georäumliche Analyse des Kenya Forest Service vom Mai 2025 bestätigt die Wirkung der Wiederaufforstung: Der vor 13 Jahren noch völlig kahle Hügel ist inzwischen zu mehr als 51 Prozent wiederhergestellt. Das entspricht einer renaturierten Fläche von 132,5 Hektar. Der gesamte Hügel ist inzwischen mindestens mit Gras- und Buschland bewachsen. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit, die Wasserspeicherung und die Artenvielfalt. 

Am Fuße des Hügels hat sich zudem ein kleiner See gebildet. Damit die Entwicklung weitergeht, wird SACDEP die Umweltbildung ausbauen, die Zusammenarbeit mit den Gemeinden stärken und den Schutz des wiederhergestellten Waldes weiter sichern. Eine 2025 erteilte Sondernutzungsgenehmigung des Kenya Forest Service für das Gebiet rund um das Schulungszentrum gilt für zehn Jahre und schafft dafür eine wichtige rechtliche Grundlage. 

Unterstützung für Wiederaufforstung und Umweltbildung

Für 2026 plant SACDEP insgesamt zwölf SAY-ECA-Schulungen, mit denen voraussichtlich 360 Schüler*innen und junge Erwachsene erreicht werden sollen. Für die Fortführung der SAY-ECA-Schulungen und die Einrichtung botanischer Gärten an Schulen besteht für 2026 ein Förderbedarf von insgesamt rund 10.445 Euro. Davon entfallen 7.111 Euro auf zwölf Schulungen und 3.333 Euro auf 4.500 Setzlinge.

Mit Ihrer Unterstützung können junge Menschen zu Umweltbotschafter*innen werden und gleichzeitig der Wald von Lusoi weiterwachsen. 

Mehr zu SACDEP

Afrika ist ein reicher Kontinent, der sich selbst versorgen kann. Das sind Vision und Motto der Arbeit von Joseph Ngugi Mutura. Er startete die Organisation Sustainable Agriculture Development Programme (SACDEP) und damit die Förderung kleinbäuerlichen organischen Anbaus in Kenia: mit geringen Eingangskosten auskommen, auf natürliche Kreisläufe setzen, den Menschen Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität wie auch Einkommen ermöglichen – und die Natur erhalten. 1993 waren es die ersten 300 Bäuer*innen, heute arbeiten die 56 Mitarbeitenden jährlich mit wenigstens 12.000 Menschen in vier klimatisch unterschiedlichen Regionen: im Osten, in der Zentralregion, an der Küste und im Rift Valley. Rund 2,2 Millionen Menschen profitierten inzwischen von dieser Arbeit. Um das Erfahrungswissen in weitere Kreise tragen zu können, startete SACDEP das College für Nachhaltige Landwirtschaft für Ostafrika.

Seit der Gründung von SACDEP ist die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung der strategische Partner der Organisation.

Ngugi Joseph Mutura gründete 1993 die Organisation Sustainable Agriculture Community Development Program (SACDEP), die er bis heute leitet. Seine Vision: Ein hungerfreies Afrika. Ngugi Joseph Mutura prägte einen ganzheitlichen, ressourcenorientierten Ansatz von Entwicklungszusammenarbeit, der auf Selbstermächtigung und Gemeinschaftsbildung setzt.

Spendenzweck

Kenia: Wiederaufforstung und Bildung F283