Kenia: Ein soziales Netz für Aids-Waisen

22.05.2026

In Gatanga kümmern sich die Menschen um Kinder, deren Eltern an HIV gestorben sind. Dank der Zusammenarbeit mit YARD können bäuerliche Gemeinden Waisenkindern Bildung, ein soziales Umfeld und Versorgung bieten. 

Die Sonne sinkt hinter die sanften Hügel des Dorfs Gatanga, mitten in Kenia. Schulkinder laufen auf den staubigen Straßen nach Hause. Eine von ihnen ist die zwölfjährige Lucy Kamau – eine zierliche Gestalt mit einem strahlenden Lächeln. Mit zehn Jahren war sie plötzlich mit ihren vier Geschwistern allein: Ihre Mutter war an HIV gestorben. Ihr Vater hatte sie schon Jahre zuvor verlassen. 

USAID-Ende: Tausenden fehlt die lebenswichtige Unterstützung 

Lucy ist eines von vielen Aids-Waisenkindern in den ländlichen Gemeinden rund um Nairobi. Seit Anfang 2025 steigt die Zahl der HIV-Neuinfektionen wieder stark. Auch die Übertragungsrate von Mutter zu Kind war mit mehr als 9 Prozent 2025 so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gemeinden im Landkreis Nairobi verzeichnen einen Rekord bei Neuinfektionen Erwachsener, während andere Landkreise Höchststände für infizierte Neugeborene melden. Nach dem Wegbrechen von USAID-Programmen arbeiten Gesundheitsdienste nur noch eingeschränkt, Präventionsangebote fallen weg und überlebenswichtige Retrovial-Medikamente werden nicht mehr bezuschusst. 

Für Kinder, die ihre Eltern verloren haben, bleibt oft nur minimale staatliche Versorgung, etwa in Heimen mit sehr geringen finanziellen Mitteln. Die Kinder müssen ihre Heimatgemeinden verlassen. Abgeschnitten von ihrem sozialen Umfeld und der Aussicht auf ererbten Landbesitz, ist ihr Start ins Leben stark beeinträchtigt.

Mehr zu YARD

Sebastian Maina Wambugu ist Gründer und Leiter der Organisation Youth Action for Rural Development (YARD Kenya) und verfügt über mehr als 28 Jahre Erfahrung in der gemeindebasierten Entwicklungsarbeit in Kenia. Er stammt selbst aus einfachen Verhältnissen und hat sich mit großem persönlichem Einsatz eine umfassende Ausbildung erarbeitet. Dazu zählen Qualifikationen in nachhaltiger Landwirtschaft, ein Studium im Bereich Entwicklungsmanagement sowie ein Diplom als psychologischer Berater.

Ein besonderer Schwerpunkt seines Engagements liegt auf sozialer Verantwortung innerhalb ländlicher Gemeinschaften: Sebastian Maina Wambugu unterstützt ein Netzwerk von Bäuerinnen und Bauern, die Waisen aus ihrem Umfeld als Pflegekinder aufgenommen haben und ihnen neue Perspektiven eröffnen. Dabei verfolgt er das Ziel, Menschen in ländlichen Regionen zu befähigen, ihre Lebensbedingungen eigenständig und nachhaltig zu verbessern.

Seine Arbeit ist geprägt von der Überzeugung, dass Entwicklung dann wirksam ist, wenn sie von den Menschen vor Ort getragen wird und ihnen Wege zur Selbstverwirklichung eröffnet.

Youth Action for Rural Development (YARD) ist eine gemeinnützige Organisation, die Sebastian Maina Wambugu mit seinen Mitstreiter*innen 1998 gründete. YARD ist seit Aufnahme der Zusammenarbeit im Jahr 2004 ein enger Partner der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung. Die Organisation befindet sich im Lower Gatanga Sub-County in Zentralkenia und trägt zur Verbesserung des Lebensstandards der Gemeinden bei. Sie richtet sich speziell an elternlose Kinder und Jugendliche sowie an ältere Menschen, meist Frauen, die sich um Waisen und von HIV/AIDS betroffene Kinder kümmern. Die Organisation fördert insbesondere Frauen auch auf Gebieten wie organischer Landbau, Saatgut-Erhalt, Energieeinsparung und Umweltrehabilitierung. Die Vision von YARD ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Gemeindemitglieder – insbesondere junge Menschen – einen angemessenen Platz in der Gesellschaft finden und die Möglichkeit haben, ihre Talente und Stärken für die persönliche und gemeinschaftliche nachhaltige Entwicklung zu nutzen.

Sicheres Auskommen ermöglicht Hilfe für andere

Die Kindheit von YARD-Gründer Sebastian Maina Wambugu war von Hunger und Armut geprägt. Er sah die vielen Schicksale von Kindern wie Lucy. Vor 29 Jahren gründete er deshalb YARD – Youth Action for Rural Development. Heute baut die Organisation mit Gemeinden soziale, ökonomisch und ökologisch tragfähige Strukturen auf. 80.000 Menschen hat YARD bisher in organischem Landbau, Umweltschutz, Aufbau von Wasserinfrastruktur und Gesundheitsvorsorge geschult. Rund 16.000 Familien haben dadurch stabile Lebensgrundlagen.

Deshalb können sie sich um die Schutzbedürftigen ihrer Dörfer kümmern. So wie Wanjiku Mwangi. Neben ihren eigenen Kindern versorgt sie vier Waisenkinder. Auch sie hat mit YARD zusammengearbeitet und durch organischen Landbau, Bau eines Wassertanks, Kleintierhaltung und Vermarktung ihrer Produkte das Einkommen ihrer Familie erhöht. Sie bringt Lebensmittel zu Hilfsbedürftigen und unterstützt Angehörige von Waisenkindern beim Bezahlen von Schulgebühren und medizinischer Versorgung. Dank Wanjiku Mwangi und vielen weiteren engagierten Frauen in den YARD-Gemeinden können die Kinder mit ihren Geschwistern im Heimatdorf bleiben. Lucy möchte später einmal Lehrerin werden. Durch den Zusammenhalt in den YARD-Gemeinden kann Lucys Traum Wirklichkeit werden. 

YARD plant Zusammenarbeit mit 900 weiteren Familien

In einem im April 2026 neu startenden Projektzyklus von drei Jahren plant YARD, mit 900 kleinbäuerlichen Haushalten zusammenzuarbeiten. Schulungen in organischem Landbau, Investitionen in Wasserversorgung, Kleintiere und Saatgut sollen Einkommen und Gesundheit der Farmer*innen verbessern. Zudem werden 2.500 Waisenkinder und Kinder begleitet und unterstützt. 

2026 sind 22.000 Euro aus Spenden nötig. Da das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Projekt fördert, wirkt Ihre Spende vierfach.

Eine Gruppe Kinder steht lächelnd und lachend an einer lehmverputzten Wand.
Dank der Förderung und Ausbildung von YARD werden Waisenkinder von ihren Nachbarinnen und Nachbarn versorgt und getragen.

Spendenzweck

Kenia: Aids-Waisen F206