Peru: Ein Zentrum der Vielfalt, Behandlung und Förderung

10.04.2026

Wer Menschen mit Behinderungen aus einer sozialen Perspektive betrachtet, erkennt schnell, dass es weniger die spezielle Art der Behinderung ist, die einen Menschen einschränkt. Oft ist es eher die vorurteilsbehaftete Sichtweise der Gesellschaft und die wirtschaftliche Benachteiligung. Unsere Partnerorganisation Aynimundo schafft es, fördernde Ansätze in die Slums von Lima zu bringen.

Mehr zu Aynimundo

Verónica Rondón ist Architektin. Sie stammt aus Arequipa und ging zum Studium nach Lima. Ihre Begegnungen mit Menschen aus den limenischen Slums prägte sie. Sie entschied sich, ihre Fähigkeiten in den Dienst ganzheitlicher Slumentwicklung zu stellen. Verónica Rondón setzt dazu bei vier Themen an: der Kapazitätsentwicklung, dem Infrastrukturaufbau, der Unternehmensentwicklung, der Kampagnenarbeit. Besondere Förderung erfahren Menschen mit Behinderung. Verónica Rondón verhandelt kontinuierlich mit lokalen Behörden und Politiker*innen, um Verbesserungen in den Lebensbedingungen von Slumbewohner*innen, in der Bildungspolitik oder bei der Einhaltung von Menschenrechten zu erzielen. Verónica Rondón rief allein im Jahr 2015 elf Kampagnen und größere Treffen ins Leben, durch die zum Beispiel Menschen mit Behinderung ihre Rechte – etwa Versorgungsleistungen durch den Staat, die im peruanischen Recht verankert sind – kennen und nutzen lernen. Verónica Rondón und ihre Organisation Aynimundo sind Aufklärende, Ansprechpartner*innen und Unterstützende.

Aynimundo wurde 2001 von einer Freundesgruppe in Lima gegründet. "Ayni" bedeutet in Quechua, der Sprache der größten indigenen Bevölkerungsgruppe der Anden: "Ich helfe dir, sodass auch du weiterhelfen kannst"; das spanische Wort mundo bedeutet Welt. Aynimundo soll eine Welt umschreiben, die auf dem Prinzip gegenseitiger Hilfe beruht. Die Organisation arbeitet mit Menschen in den Slums am südlichen Stadtrand von Lima, die in extremer Armut leben. Im Lauf der letzten zwanzig Jahre hat Aynimundo in drei Bereichen eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut: Bildung und Kultur für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, unternehmerische Begleitung und städtische Infrastruktur. Aynimundo unterstützt Initiativen der lokalen Bevölkerung und stellt nötiges technisches Fachwissen zur Verfügung. Neben Verónica Rondón gibt es 13 Mitarbeitende, darunter Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Architekt*innen und eine Finanzfachfrau. Ergänzt wird die Arbeit durch Studierende, Praktikant*innen und Künstler*innen. Sie bieten Kindern, Jugendlichen, deren Eltern und Lehrenden sowie Menschen mit Behinderung Hilfe zur Selbsthilfe in allen Lebensbereichen.

Ein Mann und eine Frau halten einen gepolsterten Trichter, in dem ein kleines Mädchen sitzt.
Therapie bei Aynimundo

Seit 2001 ist unsere Partnerorganisation Aynimundo ein Licht der Hoffnung für viele alleinerziehende Mütter und Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in den südlichen Slums von Lima. Das Team besteht aus Architekt*innen, Psycholog*innen, Sozial- und Physiotherapeut*innen, die sich geeint sehen durch eine feste Grundüberzeugung: Jeder Mensch kann einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten, wenn sie oder er nur die notwendige Unterstützung erhält. In diesem Verständnis von Inklusion bemühen sich die Mitarbeitenden seit zwanzig Jahren, mit innovativen angepassten Therapien Hindernisse und Einschränkungen bei der Entwicklung und Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen.

Zu den vielfältigen Aktivitäten der Organisation zählen Programme zur Eingliederung von jungen Menschen mit Behinderungen, Sensibilisierung und Weiterbildung von Lehrkräften zum Thema Inklusion. Ebenso bietet Aynimundo Beratung und Schulungen für Eltern und Betreuer*innen an. Diese Arbeit zeigt: Gegenseitige Hilfe, Solidarität und unterstützte Eigeninitiative können Brücken der Inklusion errichten und Anerkennung von Menschen mit Behinderungen fördern.

Aus vergangenen Krisen lernen

Die Corona-Pandemie war in vielerlei Hinsicht ein Brennglas für seit Langem bestehende Probleme. Sie legte den jahrzehntelangen Mangel an institutioneller Unterstützung für Menschen mit Behinderungen offen. Staatliche Mittel wurden Jahr für Jahr gekürzt. Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen stehen seitdem vor zusätzlichen enormen Herausforderungen. Zudem behaupten manche Unternehmen, die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen entsprächen kaum den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten unermüdlichen Engagements und dank der Unterstützung verschiedener Partnerinstitutionen in Peru und Europa wurde 2023 das Zentrum der Beachtung der Vielfalt eröffnet. Dieser einladende und sichere Ort ermöglicht es Kindern, Jugendlichen, Familien und anderen Mitgliedern der Gemeinde, an Aktivitäten teilzunehmen, die ihre Fähigkeiten stärken, ihre Entwicklung fördern und ihnen helfen, sinnvolle persönliche und soziale Ziele zu erreichen. 
 

Stärkung der Familien

Die Familie ist grundlegend für die Teilhabe und Inklusion junger Menschen mit Behinderungen. Das Programm hilft Familien daher, die Bedürfnisse ihrer Kinder mit Behinderungen besser zu verstehen, für sich selbst zu sorgen und ein förderliches häusliches Umfeld zu schaffen. So bietet Aynimundo folgende Aktivitäten an:

  • Familien-Mentoring: Dieses Programm richtet sich an Mütter, Väter und Betreuungspersonen der Kinder und Jugendlichen im Projekt. Die Teilnehmenden erhalten Unterstützung und Beratung, um ihre Bedürfnisse zu erkennen, Hindernisse zu überwinden und Ressourcen zu finden, die zur Entwicklung ihrer Kinder und zum Wohlbefinden der gesamten Familie beitragen. 

  • Workshop zur Stärkung der Rolle von Betreuung und Unterstützung im Alltag: Schulungen für Mütter, Väter und Betreuer*innen mit dem Ziel, praktische Werkzeuge für die Herausforderungen der Elternrolle an die Hand zu geben, die Kommunikation zu Hause zu stärken, sichere emotionale Bindungen zu fördern, die Entwicklung der Kinder zu unterstützen und so zum Wohlbefinden der gesamten Familie beizutragen.

  • Schulungen zur Selbstfürsorge, Weiterentwicklung und Stärkung von pflegenden Frauen: Treffen und Schulungen für Mütter, Väter und pflegende Angehörige. Ziel ist es, das Selbstwertgefühl zu stärken, die Selbstfürsorge zu fördern und die Teilnehmenden darin zu unterstützen, sich selbst als Akteure ihres eigenen Lebens zu erkennen.

Ein Ort, in dem Schönheit und Reichtum von Vielfalt gelebt wird

Mit seinen Therapiemöglichkeiten für Familien von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, zu denen sie an anderer Stelle keinen Zugang haben, ist das Zentrum zu einem Ort geworden, an dem die Schönheit und der Reichtum von Vielfalt erkannt und gelebt wird. Menschen mit Behinderungen können sich über Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsrechte informieren, Schulungen und Ausbildungen absolvieren. Darüber hinaus stärkt Aynimundo sie darin, ihre Rechte eigenständig einzufordern.

Die aktuelle Situation in Peru stellt weiterhin eine große Herausforderung dar. Es bestehen nach wie vor erhebliche Defizite, die die volle Teilhabe und soziale Inklusion von Menschen mit Behinderungen beeinträchtigen. Dies betrifft zum einen die tägliche Versorgung und Pflege sowie die Einhaltung von und das Wissen um Hygienemaßnahmen zu ansteckenden Krankheiten. Zum anderen die Aufklärung über ihre Rechte, über das Angebot von Bildungs- und Kulturaktivitäten in der Gemeinde - und über die Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Corona machte außerdem deutlich, dass punktuelle Interventionen zwar hilfreich sein können, jedoch keine nachhaltige Verbesserung garantieren können. Dies kann nur ein Ort der Begegnung, der Solidarität und des gemeinsamen Lernens. Das Centro de Atención a la Diversidad kann ein solcher Ort werden.

Jedes Jahr sollen rund 500 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie ihre Familien und 50 Gemeindepädagog*innen die Möglichkeit bekommen, an den Schulungen und kulturellen Aktivitäten des Zentrums teilzuhaben.

Pro Jahr benötigt Aynimundo rund 295.400 Euro, um die laufenden Kosten des Centro de Atención a la Diversidad zu decken. Pro Teilnehmer*in und Jahr sind das 590 Euro. Hierfür bitten wir um Spenden.

Ein türkisbraune Bank mit dem Schriftzug Aynimundo steht vor einem in Pink, Gelb und Weiß gestrichenen Haus mit großen, in Holz gerahmten Fensterflächen.
Das Centro de Atención a la Diversidad: ein bunter Ort der gelebten Vielfalt

Spendenzweck

Peru: Zentrum der Beachtung der Vielfalt F343