Austausch, der Hoffnung wachsen lässt: Víctor Acosta Sánchez zu Gast in Deutschland
05.08.2026
Wie kann Landwirtschaft angesichts des Klimawandels zukunftsfähig bleiben? Und was können Menschen aus unterschiedlichen Weltregionen voneinander lernen? Diese Fragen begleiteten Víctor Acosta Sánchez während seiner Deutschlandreise im Juli 2026.
Der Direktor unserer peruanischen Partnerorganisation Asociación Civil Caminando (ACICA), Víctor Acosta Sánchez, besuchte Bio- und Biodynamisch arbeitende Betriebe, die Universität für ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen, die Forschungsdomäne in Frankenhausen, die Bingenheimer Saatgut-AG, Schulen und Bioläden. Er brachte Erfahrungen aus den Hochanden mit – und nahm neue Eindrücke, Begegnungen und Impulse zurück nach Peru. Seine Reise zeigte, wie wertvoll gegenseitiges Lernen und die gemeinsame Suche nach Lösungen sein können.
Die Asociación Civil Caminando – ACICA ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 2009 in der Stadt San Marcos in der Region Cajamarca tätig ist. Sie engagiert sich mit nachhaltigen Landwirtschafts- und Gemeindeentwicklungsprojekten in den Bergbauerndörfern rund um San Marcos. Abholzung und veränderte Niederschlagsmuster vermindern die Fruchtbarkeit der Böden und die landwirtschaftlichen Erträge sinken stetig. ACICA verbindet traditionelles Wissen mit modernen Methoden des organischen Landbaus, um diese weit abgelegenen, teilweise nur mit Pferd oder Muli zu erreichenden Gemeinden verbesserte Anbautechniken zu vermitteln. Der Lehrplan von ACICA ist auf diese Lebensbedingungen abgestimmt: Kombiniert wird der Aufbau kleiner Staubecken, um Wasser zu sammeln, mit organischem Landbautraining, Wiederaufforstung und Verbesserung der Kleintierzucht, insbesondere von Meerschweinchen. ACICA wird bisher von einem Team von acht Voll- und Teilzeitkräften sowie Honorarkräften betrieben. Sechs der Mitarbeiter haben eine Ausbildung und/oder langjährige Erfahrung in nachhaltiger Landwirtschaft, eine Mitarbeiterin ist in Buchhaltung und Finanzmanagement qualifiziert. Der Großteil der Mitarbeiter*innen kommt aus der Region. Durch Training, Investitionen und Umsetzungsbegleitung unterstützt ACICA zurzeit zwölf marginalisierte Gemeinden, in denen etwa 4.100 Menschen leben.
Víctor Acosta Sánchez, Direktor der Asociación Civil Caminando (ACICA), besuchte dank der Unterstützung und Ermutigung eines deutschen Priesters eine Schule in der Provinz San Marcos, die er aus seinem Heimatdorf Licliconga über lange Fußwege in den Hochanden erreichte. Seinen ersten Uni-Abschluss erreichte er an der Nationalen Universität von Cajamarca, fügte später einen Master in Entwicklungspolitik und –planung hinzu und promovierte schließlich im Bereich Umweltmanagement. Zudem war er Führer einer der "Rondas Campesinas", selbstständige Bauernorganisationen im ländlichen Peru, die ursprünglich als Selbstverteidigung gegen Diebstahl, insbesondere von Rindern, konzipiert waren. 2008 lernte er Dr. Annette Massmann von der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung kennen. Zusammen besuchten sie verschiedene Gemeinden in der Provinz San Marcos. Nach diesen Besuchen gründete Víctor Acosta Sánchez 2009 zusammen mit anderen Bauernführern ACICA. Er ist stolz darauf, mit ACICA und lokalen Bäuer*innen in ländlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten, vor allem wegen ihrer ambitionierten Ziele: dem Schutz von Land, Wasser, Flora, Fauna und Luft.
Mehr zum eindrucksvollen Lebensweg von Víctor Acosta Sánchez gibt es hier.
Ein Weg, der mit Bildung begann
Víctor Acosta Sánchez ist in Licliconga aufgewachsen, einem abgelegenen Bergdorf auf 4.300 Metern Höhe in der Region Cajamarca im Norden Perus. Mit 22 Jahren verließ er erstmals sein Dorf, um eine weiterführende Schule zu besuchen. Unterstützt durch den deutschen Priester Rudi Eichenlaub, der damals in der Diözese San Marcos wirkte, und dessen befreiungstheologisch engagiertes Umfeld konnte er seinen Bildungsweg fortsetzen.
Später studierte Víctor Acosta Sánchez an der Nationalen Universität von Cajamarca, arbeitete als Lehrer und erwarb in Fernstudien mehrere Abschlüsse in den Bereichen Entwicklungsplanung und Umweltmanagement. Seine Promotion widmete er dem Bereich Umweltmanagement und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
Sein Wissen stellte er von Anfang an in den Dienst der Bergbauerngemeinden in den Hochanden. Gemeinsam mit weiteren bäuerlichen Führungspersönlichkeiten gründete er 2009 die Asociación Civil Caminando (ACICA). Heute begleitet die Organisation Kleinbauernfamilien in der Provinz San Marcos dabei, ihre Lebensgrundlagen zu sichern und nachhaltige Lösungen für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels zu entwickeln.
Die Anden im Wandel: Wasser bewahren, Böden schützen
Beim Mittagsgespräch in der GLS Bank berichtete Víctor Acosta Sánchez von den Veränderungen in seiner Heimatregion. In den Bergen Cajamarcas verschieben sich Niederschlagsmuster, natürliche Wasserquellen verschwinden und Böden verlieren durch Erosion an Fruchtbarkeit.
ACICA unterstützt die Gemeinden dabei, diesen Herausforderungen zu begegnen: durch den Bau von Wasserspeichern, den Schutz natürlicher Quellen, Wiederaufforstung und eine Landwirtschaft, die den Boden langfristig erhält – mit organischer Düngung, Fruchtfolgen und natürlichen Anbaumethoden.
Grundlage dieser Arbeit ist ein tiefes Verständnis der Verbindung zwischen Mensch und Natur:
Die Erde lebt.
Die Erde hat Rechte.
Die Erde ist unser gemeinsames Zuhause.
Wasser ist dabei mehr als eine Ressource. Es ist die Grundlage allen Lebens.
Lernen in beide Richtungen – mit der Natur arbeiten
Während seiner Reise besuchte Víctor Acosta Sánchez verschiedene Orte nachhaltiger Landwirtschaft in Deutschland. Bei Bingenheimer Saatgut tauschte er sich über samenfeste Sorten und biologische Vielfalt aus. Auf Demeter- und Biobetrieben wie dem Schepers- und Örkhof, dem Marienhof und dem Wünnerhof sprach er mit Landwirtinnen und Landwirten über Bodenfruchtbarkeit und ökologische Bewirtschaftung.
An der Universität Kassel diskutierte er mit Forschenden über klimaangepasste Landwirtschaft und nachhaltige Bewirtschaftungssysteme. Auf der Versuchsdomäne Frankenhausen diskutierte er Ansätze biodiverser Anbauformen zum Umgang mit dem Klimawandel.
Doch Víctor Acosta Sánchez kam nicht nur, um Eindrücke zu sammeln. Er brachte auch sein Wissen aus den Anden mit – über den Umgang mit Wasserknappheit, den Schutz von Böden, das Wideraufforsten und den Schutz der Forste durch Gemeinschaften. Und insbesondere verdeutlichte er die Kraft gemeinschaftlichen, organisierten Handelns am Beispiel der Erfahrungen und Erfolge der 25 Gemeinden, mit denen ACICA zurzeit in den Hochanden arbeitet.
Erfahrungen teilen, Wege verbinden
Bei der Solidarischen Landwirtschaft Witten am Waldorf Institut Annen entwickelte sich ein lebendiger Austausch über Kompostierung, Wassermanagement und Bodenpflege. Víctor Acosta Sánchez zeigte, wie Erfahrungen aus Peru neue Perspektiven eröffnen können – etwa beim sparsamen Umgang mit Wasser oder bei natürlichen Methoden zum Schutz von Pflanzen.
Besonders beeindruckte ihn das Bildungsverständnis des Lernens mit „Kopf, Herz und Hand“, das er am Waldorf Institut Annen kennenlernte. Darin erkannte er eine Verbindung zu seiner eigenen Arbeit bei ACICA: Nachhaltige Entwicklung entsteht dort, wo Menschen Wissen erwerben, Erfahrungen teilen und gemeinsam ins Handeln kommen.
Auch die Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern der Widarschule in Bochum machten sichtbar, wie wertvoll Gespräche zwischen unterschiedlichen Generationen und Lebenswelten sind.
Hommage an Frau Offermanns – Altgold zurück nach Peru
In Freiburg konnten wir einen gemeinsamen Nachmittag mit über 20 Menschen in der Wohnung von Frau Jutta Dorothea Offermanns gestalten und ihr über dreißigjähriges Engagement – „Altgold zurück nach Peru“ würdigen, aus dem sie in dieser Zeit über 400.000 Euro aus dem Einschmelzen von Alt- und Zahngold und dem Verkauf von Modeschmuck auf Basaren erlöste.
Diese Gelder gingen an unsere Projektpartner in Peru und in den letzten etwa zehn Jahren vollumfänglich an die Initiative ACICA von Víctor Acosta Sánchez.
Es war eine bewegende Begegnung, in der unsere Vorständin Dr. Annette Massmann, Víctor Acosta Sánchez und Marcela Cárcamo Pérez das herausragende Engagement von Frau Offermanns, die inzwischen 98 Jahre alt ist, gemeinsam mit den anderen Besucher*innen würdigten.
Hoffnung aus dem Ruhrgebiet
Beim gemeinsamen Abschlussessen seiner Reise teilte Víctor Acosta Sánchez die Eindrücke, die ihn besonders bewegt hatten.
Eine Beobachtung ließ ihn staunen: die Geschwindigkeit, mit der der Weizen in Deutschland wächst. Als er ankam, waren die Halme noch klein. Nur 20 Tage später standen sie deutlich höher und waren fast bereit für die Ernte. In seiner Heimat Peru dauert dieser Entwicklungsprozess aufgrund der klimatischen Bedingungen mehrere Monate.
Noch stärker berührte ihn der Wandel des Ruhrgebiets. Eine Region, die über Jahrzehnte durch Bergbau und Industrie geprägt war und unter belasteten Böden, Luftverschmutzung und starken Eingriffen in die Natur litt, bietet heute wieder Raum für ökologische und biodynamische Landwirtschaft.
Für Víctor Acosta Sánchez wurde dieser Wandel zu einem Zeichen der Hoffnung. Wenn eine solche Veränderung in einer ehemals stark belasteten Region möglich ist, dann könne auch in San Marcos und anderen Regionen Perus Neues entstehen.
„Zu sehen, dass eine solche Veränderung möglich ist, macht mir Hoffnung. Jeder einzelne Mensch kann zu solchen Veränderungen beitragen.“
Gemeinsam Zukunft gestalten
Die Deutschlandreise machte deutlich: Die Begegnungen, die vom gegenseitigen Zuhören, vom Teilen von Erfahrungen geprägt sind, führen zum gemeinsamen Entwickeln neuer Wege.
Víctor Acosta Sánchez nahm so neue Ideen und Ermutigung mit zurück nach San Marcos.
Helfen Sie mit, Hoffnung wachsen zu lassen
Die Arbeit von ACICA zeigt: Veränderung beginnt dort, wo Menschen ihre Kräfte verbinden. Mit Ihrer Unterstützung können bäuerliche Familien in den Anden Wasser schützen, Böden regenerieren und ihre Lebensgrundlagen langfristig sichern.
Ihre Spende stärkt Menschen, die ihre Zukunft selbst gestalten und Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels entwickeln.
Unterstützen Sie ACICA und helfen Sie mit, Hoffnung wachsen zu lassen.