Tiere zur Sicherung der Massai-Gemeinde Selenkei
27.05.2024
In den Jahren 2022 und 2023 litten Millionen Menschen in Kenia unter der schlimmsten Dürre seit über 40 Jahren. Die Massai, die von und mit ihren Tierherden leben, verloren bis zu 90 Prozent ihrer Tiere und somit ihre Existenzgrundlage. Seit Mitte 2023 hat es in weiten Teilen des Landes wieder geregnet, auch in Selenkei. Der Regen hat die Menschen hoffnungsfroh gestimmt.
Unter dem Motto "Leben verändern, Zukunft gestalten" haben die Menschen Ideen entwickelt, wie sie ihre Widerstandsfähigkeit in diesen Zeiten klimatischer Veränderung stärken können. Neben einer Diversifizierung ihrer Ernährungs- und Einkommensquellen durch organischen Landbau, soll das nachhaltige Weidemanagement eingeführt werden, das die ganzjährige Versorgung kleinerer Herden in Dürrezeiten gewährleistet. Diese Ansätze tragen dazu bei, Weideflächen der Massai zu erhalten, Vegetation zu regenerieren und die Lebensgrundlage der Gemeinde langfristig zu sichern.
Die Amboseli Massai Development Organization (AMDO) wurde von Leonard Onetu gegründet, Mitglied der Massai Group Ranch Selenkay. Leonard Onetu hatte das Glück, dass seine Gemeinde seine Schulbildung finanzierte. Er absolvierte Internatsschulen bis zum Abitur, studierte Soziologie und schloss mit einem Master ab. Unter den rund 146.000 Menschen des gesamten Distriktes ist Leonard Onetu bis heute einer der wenigen Universitätsabsolventen. Mehrere Jahre arbeitete er für verschiedene kenianische Nichtregierungsorganisationen und das kenianische Landwirtschaftsministerium. Dann wuchs in ihm der Wunsch, etwas von dem zurückzugeben, was er durch seine Gemeinschaft erhalten hatte. Im Gespräch mit den Ältesten der Gemeinde kam die Überlegung auf, eine waldorfinspirierte Schule aufzubauen. Leonard Onetu zu dem Vorhaben: „Die Schule ist ein großes Glück für unsere Gemeinde. Sie gibt uns die Möglichkeit, Werte wie Achtung der Natur und Solidarität unter den Menschen, die uns als Massai wichtig sind, mit einer guten Ausbildung für unsere Kinder zu verbinden.“
Selenkei liegt im Südwesten Kenias in der Provinz Kajiado. Hier baut die lokale Massaigemeinde unter Leitung der Organisation Amboseli Massai Development Organisation (AMDO) eine Waldorf inspirierte Grundschule auf, die – wie in Kenia Standard – bis zur siebten Klasse führt und in der auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder geübt werden. Sie ist, zusammen mit ihrem Kindergarten Naretoi („Wir kommen zusammen“) im Jahr 2016 offiziell eingeweiht worden. Die Schule soll den Kindern der Massai zum einen den Zugang zu „konventioneller“ Bildung ermöglichen und zum anderen alltagspraktische Fähigkeiten sowie organischen Landbau nahebringen. Das Projekt wird umfassend von der Gemeinde vor Ort getragen. So stellte die Gemeinde das Schulgelände zur Verfügung. Sie steuert zusätzlich zu ihrem Arbeitseinsatz vor Ort verfügbare Baumaterialien wie Sand, Kies und Wasser zum Bauvorhaben bei. AMDO koordiniert den Ausbau der Schule und trägt mit dafür Sorge, Menschen aus der Gemeinde auszuwählen, die sich für die Arbeit als Lehrer*in oder als Kindergärtner*in weiter qualifizieren. So wird in die Zukunft der Kinder investiert und zugleich die gesamte Gemeinschaft gestärkt.
Verluste ersetzen
Eine Kooperative hat sich gegründet. Ihr Ziel ist, den durch die Dürre verursachten hohen Verlust an Tieren zu kompensieren. Gemeinsam haben sie ein Wiederaufstockungsprogramm entworfen, in dem kleine, an die lokalen Bedingungen angepasste Tierbestände an Familien verteilt werden. Durch ein Rotationsprinzip, bei dem der tierische Nachwuchs an andere Familien weitergegeben wird, konnten die 50 bedürftigsten Familien der Gemeinde im August letzten Jahres bereits einen Grundstock an Tieren erhalten und so für ihre existentiellen Grundbedürfnisse sorgen.
250 Schafe und Ziegen, 25 Kühe und zwei Bullen, zwei Ziegenböcke und zwei Schafsböcke wurden an 50 Familien verteilt. Alle Schafe und Ziegen haben bereits Nachkommen bekommen, die Kühe sind tragend und werden in den nächsten Monaten kalben.
Resilienz stärken
Das Wideraufstockungsprogramm sorgt nicht nur für Ernährungs- und Einkommenssicherheit in der Gemeinde, sondern stärkt auch den Zusammenhalt und die Resilienz der Menschen. Nemayia Leparakuo, Mitglied der Kooperative, ist erleichtert: "Nicht nur die wiedergewonnenen Tiere sichern uns die tägliche Nahrungsgrundlage. Das gemeinschaftliche Konzept der Kooperative gibt uns eine Sicherheit, dass wir unsere Daseinsvorsorge langfristig sichern und widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen werden können".
In der zweiten Jahreshälfte 2024 möchte AMDO weitere 50 Familien mit Tieren unterstützen. Gemeinsam entscheidet die Gemeinde, welche Familien Tiere erhalten. Die Familiengröße, der vorherige Verlust an Tieren und die gesamte ökonomische und soziale Situation der Familien sind dabei Teil der selbst gewählten Kriterien der Gemeinde.
280 weitere Tiere sollen nun von der Kooperative angeschafft werden. Eine Kuh kostet etwa 300 Euro, ein Bulle 500 Euro. Schafe und Ziegen kosten 80 Euro, die Böcke 100 Euro.
Mit Ihrer Spende für die Tiere tragen Sie dazu bei, dass die Menschen in der Massai-Gemeinde Selenkei im Süden Kenias ihre Lebensbedingungen langfristig verbessern können. Erfahrungsgemäß sichert ein stabiles Einkommen der Menschen nicht nur ihre Ernährung. Vielmehr investieren die in dieser Weise gestärkten Gemeinschaften ihre Erlöse in die Ausbildung ihrer Kinder.