Mit Wasserreservoirs dem Klimawandel trotzen

Alles begann mit einer Versammlung von 16 Menschen im Innenhof eines Lehmhauses in Pencapampa, einem auf ca. 3.000 Metern in der nordperuanischen Region Cajamarca gelegenen Dorf mit ca. 150 Einwohner*innen. Nach drei Jahren Training und infrastrukturellen Verbesserungen sind die Menschen mittlerweile ernährungssouverän und ernährungssicher.

Die Menschen waren einer Einladung des Lehrers der kleinen Dorfgrundschule, Flavio Centeno, gefolgt. Er hatte die Mitarbeiter*innen unserer Partnerorganisation ACICA eingeladen, über organischen Landbau und eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Wenn Victor Acosta Sánchez, der Direktor von ACICA, die Teilnehmer*innen der Versammlung nach ihrem wichtigsten Problem befragte, so lautete die Antwort stets: "Uns fehlt Wasser."

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Die Asociación Civil Caminando – ACICA ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 2009 in der Stadt San Marcos in der Region Cajamarca tätig ist. Sie engagiert sich mit nachhaltigen Landwirtschafts- und Gemeindeentwicklungsprojekten in den Bergbauerndörfern rund um San Marcos. Abholzung und veränderte Niederschlagsmuster vermindern die Fruchtbarkeit der Böden und die landwirtschaftlichen Erträge sinken stetig. ACICA verbindet traditionelles Wissen mit modernen Methoden des organischen Landbaus, um diese weit abgelegenen, teilweise nur mit Pferd oder Muli zu erreichenden Gemeinden verbesserte Anbautechniken zu vermitteln. Der Lehrplan von ACICA ist auf diese Lebensbedingungen abgestimmt: Kombiniert wird der Aufbau kleiner Staubecken, um Wasser zu sammeln, mit organischem Landbautraining, Wiederaufforstung und Verbesserung der Kleintierzucht, insbesondere von Meerschweinchen. ACICA wird bisher von einem Team von acht Voll- und Teilzeitkräften sowie Honorarkräften betrieben. Sechs der Mitarbeiter haben eine Ausbildung und/oder langjährige Erfahrung in nachhaltiger Landwirtschaft, eine Mitarbeiterin ist in Buchhaltung und Finanzmanagement qualifiziert. Der Großteil der Mitarbeiter*innen kommt aus der Region. Durch Training, Investitionen und Umsetzungsbegleitung unterstützt ACICA zurzeit zwölf marginalisierte Gemeinden, in denen etwa 4.100 Menschen leben.

Víctor Acosta Sánchez, Direktor der Asociación Civil Caminando (ACICA), besuchte dank der Unterstützung und Ermutigung eines deutschen Priesters eine Schule in der Provinz San Marcos, die er aus seinem Heimatdorf Licliconga über lange Fußwege in den Hochanden erreichte. Seinen ersten Uni-Abschluss erreichte er an der Nationalen Universität von Cajamarca, fügte später einen Master in Entwicklungspolitik und –planung hinzu und promovierte schließlich im Bereich Umweltmanagement. Zudem war er Führer einer der "Rondas Campesinas", selbstständige Bauernorganisationen im ländlichen Peru, die ursprünglich als Selbstverteidigung gegen Diebstahl, insbesondere von Rindern, konzipiert waren. 2008 lernte er Dr. Annette Massmann von der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung kennen. Zusammen besuchten sie verschiedene Gemeinden in der Provinz San Marcos. Nach diesen Besuchen gründete Víctor Acosta Sánchez 2009 zusammen mit anderen Bauernführern ACICA. Er ist stolz darauf, mit ACICA und lokalen Bäuer*innen in ländlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten, vor allem wegen ihrer ambitionierten Ziele: dem Schutz von Land, Wasser, Flora, Fauna und Luft.

Mehr zum eindrucksvollen Lebensweg von Víctor Acosta Sánchez gibt es hier.

Voller Stolz präsentiert diese Frau das fertig gestellte Wasserreservoir für ihre und benachbarte Familien

Klimawandel und Verlust lokalen Wissens 

Die Ursachen für den Wassermangel sind vielfältig: Der Klimawandel zeigt sich im Andenhochland durch unregelmäßige und oft weniger ergiebige Regenfälle, aber auch durch Extremereignisse – kurze, heftige Niederschläge, die zu Überschwemmungen und Erosion führen, statt nutzbar zu sein. Gleichzeitig sind viele natürliche Wasserspeicher wie Quellen und Lagunen verschwunden, Wälder wurden abgeholzt, und die Wasserqualität hat sich verschlechtert. 

Hinzu kommt der schleichende Verlust lokalen Wissens über nachhaltige Bewässerung, Anbau und Viehzucht. "Früher wurden in den Dörfern Erfahrungen und Kenntnisse von den Eltern an die Kinder weitergegeben", erklärt Victor Acosta Sánchez. "Zudem gab es in jedem Dorf einen Yachachiq, einen gebildeten Ältesten, der traditionelles Wissen an junge Bäuer*innen weitergab. Dieser Tradition ist seit den 1950er Jahren zunehmend verlorengegangen."

Gemeinsam Wasser sichern

Auf diese erste Versammlung sollten viele weitere folgen. Die Teilnehmer*innen verpflichteten sich zur regelmäßigen Teilnahme an Feldschulungen und zum Erbringen von eigenen Beiträgen in Form von Materialien und Arbeitskraft. Im Laufe eines Jahres wurden – mithilfe der Förderung durch die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung – 14 Wasserreservoirs in traditionellen Gemeinschaftsarbeiten (Mingas) gebaut. Für den Bau eines Wasserreservoirs muss an einer kleinen Quelle, die höher liegt als die zu bewässernden Felder, ein rund 15 Kubikmeter großes Loch gegraben werden. Dieses wird mit einer robusten, wasserdichten Plane ausgekleidet. Mit einem gefüllten Reservoir kann ein 2.000 Quadratmeter großes Feld auch während der Trockenzeiten bewässert werden. Ergänzend wird Regenwasser über Hausdächer gesammelt, in einfachen Speichern oder Zisternen gesichert und effizient – etwa über Tröpfchenbewässerung – verteilt.

Wasser sichert Leben

Zu Beginn waren die Bäuer*innen zurückhaltend bis skeptisch. Doch durch koordinierte Selbstorganisation, gegenseitige Unterstützung und fachkundige Begleitung des ACICA-Teams sind ihre Felder dank des gespeicherten Wassers gut bestellt - auch wenn Regen ausbleibt oder nur kurz und heftig fällt und dadurch kaum genutzt werden kann. 

Das gesammelte Wasser wird dabei nicht nur für die Bewässerung eingesetzt, sondern auch im Haushalt und für die Versorgung der Tiere genutzt. Da viele natürliche Quellen versiegen und traditionelle Tränken nicht mehr funktionieren, gewinnt jede gespeicherte Wassermenge zusätzlich an Bedeutung. Erstmals erzielen die Familien ganzjährig Ernten. Damit können die Bäuer*innen die Ernährung ihrer Familien sichern und sind darüber hinaus noch in der Lage, über den Verkauf ihrer Produkte das Familieneinkommen zu erhöhen. So bremsen sie zugleich die Abwanderung aus dem Dorf mit nachhaltender Wirkung.

Dieses Beispiel machte von sich reden. "Viele Bäuer*innen aus den umliegenden Dörfern klopften an unsere Türen im ACICA-Büro in San Marcos und fragten, ob wir auch in ihren Gemeinden Schulungen zum organischem Landbau durchführen und an die lokalen Bedingungen angepasste Bewässerungstechniken einführen könnten", erzählt Victor Acosta Sánchez.

Die Zusammenarbeit zeigt Wirkung

In Abstimmung mit der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung folgte ein Dialog mit Berggemeinden, die von Armut, Wassermangel, Ernährungsunsicherheit und Abwanderung besonders stark betroffen waren. Das ACICA-Team erläuterte seine Arbeitsweise und seine Prinzipien der Zusammenarbeit. So etwa, dass jedwede Form von Unterstützung nicht einfach verteilt werde, sondern die Bewohner*innen sich organisieren, an den vierzehntägig stattfindenden Feldschulungen in organischem Landbau teilnehmen und zu allen geplanten Investitionen und Arbeiten selbst etwas beitragen müssen.

Zwischen 2026 und 2029 werden 827 Familien aus 28 Gemeinden Wasserinfrastrukturen errichten, Aufforstungsmaßnahmen durchführen und den organischen Landbau und die artgerechte Tierhaltung und -zucht erlernen. Davon profitieren direkt 2.524 Menschen.

In diesem Zeitraum sind für den Aufbau von Wasserinfrastruktur insgesamt rund 392.600 Euro notwendig. Für Feldschulungen und Lernaustausch werden circa 96.000 Euro pro Jahr benötigt. Zusätzlich werden Latrinen und Wasserinfrastruktur in drei Bildungseinrichtungen in abgelegenen Gebieten gebaut, wovon 36 Kinder und Lehrkräfte direkt profitieren.

Spendenzweck

Peru: Wasserreservoirs F350