Der Schlüssel zur Veränderung liegt in den eigenen Händen
17.04.2026
Trotz der Auswirkungen des Klimawandels und großer Konkurrenz im internationalen Kaffeegeschäft kann kleinbäuerlicher Kaffeeanbau rentabel sein. Unser Partner RODI zeigt wie.
Ann Wangari lebt in Zentralkenia, mitten im Kaffeeanbaugebiet. Auf ihrer zwei Hektar großen Farm stehen schon seit Generationen Kaffeebäume. Wie die meisten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der Gegend lebte auch sie ausschließlich vom Kaffeeanbau. In den letzten Jahren reichte der Ertrag allerdings nicht mehr aus, um ihre Familie ernähren und die Kinder in die Schule schicken zu können. Die zunehmende Trockenheit machte die Kaffeepflanzen anfälliger für Krankheiten wie Kaffeerost. Der langjährige Anbau in Monokultur und die Verwendung chemischer Düngemittel schädigten die Bodenfruchtbarkeit. Früher gehörte die Region um den Mount Kenya zu den fruchtbarsten Gegenden des Landes, heute sind die Böden weitgehend ausgelaugt.
Intransparente Weiterverarbeitung
Am Ende eines langen, harten Arbeitstages lieferte Ann Wangari die frisch geernteten Kaffeekirschen bei einer Wetmill (Nass-Mühle) ab. In Kenia wurde die Weiterverarbeitung von Kaffee als wichtiges Exportgut bis vor kurzer Zeit durch die Regierung kontrolliert. Die Bäuerinnen und Bauern mussten ihren Kaffee vollständig bei den Kaffeemühlen abliefern. Sie übergaben ihre Bohnen und damit die Kontrolle über ihr Produkt in fremde Hände. Ersetzt wurden diese Regulierungen durch Kartellverbände, bestehend aus Kaffeemüllern, Zwischenhändlern und Exportunternehmen. Sie agieren als ein geschlossenes System, dem die kleinbäuerlichen Betriebe machtlos ausgeliefert sind. Der Erlös ihres Kaffees wurde Ann Wangari, wie allen Kaffee-Kleinbäuerinnen und -bauern, nur einmal im Jahr mitgeteilt. Dabei war die Preisgestaltung völlig intransparent. Dies führte vielfach zu hoher Verschuldung. Wenn endlich die Ernte bezahlt wurde, deckte der Erlös oft nicht einmal die Produktionskosten. "Ich habe mich einfach meinem Schicksal ergeben, ich wusste keinen Ausweg. Heute weiß ich, dass der Schlüssel zur Veränderung in meinen eigenen Händen liegt", ist sich Ann Wangari sicher.
Die Entwicklungsorganisation Resources Oriented Development Initiatives (RODI) arbeitet seit 1989 für eine höhere Nahrungsmittel- und Einkommenssicherheit und damit verbunden für eine Verringerung der Kriminalitätsrate. RODI hat tausenden Menschen, die aufgrund von Armutsdelikten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, geholfen, aus dem Zirkel von Armut und Kriminalität zu entkommen. Die 1999 als NGO registrierte Organisation arbeitet derzeit mit 28 Gefägnissen, 40 Schulen und 39 Gemeindegruppen in den acht Distrikten Kisumu, Kakamega, Nandi, Uasin Gishu, Turkana, Nairobi, Kiambu and Nyeri. Dabei stehen Schulungen für Strafgefangene und Strafvollzugsaufsehern im Zentrum ihrer Tätigkeiten. Insbesondere praktische Fähigkeiten im organischen Landbau, aber auch in der Kleinproduktion verschiedener Alltagsprodukte, die Herstellung von Sandalen sowie die Vermittlung von Computer-Basiswissen und Buchhaltungskompetenzen gehören zu den Inhalten der verschiedenen Ausbildungen. Sie helfen den Menschen, nach ihrer Entlassung die Stigmata durch ihr Umfeld zu überwinden und eigenständig ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Eliud Ngunjiri war Fachmann für Gemeindeentwicklung mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit. Er gründete und leitete RODI (Resources Oriented Development Initiatives) bis zu seinem Tod 2021. Sein akademischer Hintergrund lag im Bereich Range Management und ländliche Entwicklung. Er hat in Kenia und in England studiert. 14 Jahre lang arbeitete er bei OXFAM Großbritannien. In dieser Zeit hat er sich immer wieder gefragt, warum die Armut trotz der Anstrengungen, der Entschlossenheit und der Ressourcen, mit denen sie bekämpft wurde, weiter zunahm. Er setzte sich mit diesen Fragen auseinander. Der von ihm entwickelte Ansatz RODA, ein ressourcenorientierter Entwicklungsansatz (Resource Orientated Development Approach), liegt der Arbeitsweise RODIS zugrunde.
Stärkung von Frauen im Kaffeeanbau
Die roten Kaffeekirschen leuchten in der Sonne, während Ann Wangari stolz ihre kräftigen Pflanzen präsentiert. Vor drei Jahren hat sie mit einer Gruppe von Frauen die Zusammenarbeit mit der lokalen Nichtregierungsorganisation Resources Oriented Development Initiatives (RODI) begonnen. Sie hat ihre Farm komplett umgestellt. „Die Ausbilder von RODI haben uns geholfen, die Probleme zu erkennen und aufgezeigt, wie wir selbst Teil der Lösung werden können“, erinnert sich Ann Wangari. Auf ihrem Acker wachsen heute neben Kaffeesträuchern auch Obstbäume, Gemüse und bodendeckende Pflanzen wie Bohnen, Wurzel- und Knollenfrüchte. Gemeinsam mit 15 weiteren Frauen lernte sie, Techniken des organischen Landbaus anzuwenden, die an die klimatischen Veränderungen angepasst sind, und ihre Ackerfläche vielfältig und gemischt zu bepflanzen. Die Ergebnisse sind ermutigend: Ann Wangari konnte ihre Ernte von vier Kilogramm pro Baum auf etwa 30 Kilogramm erhöhen. Die eigene Herstellung von organischen Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden verringert die Kosten für sie deutlich. Der Gemüseanbau und die Haltung von Milchziegen sorgen zusätzlich dafür, dass ihre Familie täglich ausreichend nährstoffreiche Lebensmittel hat. „Heute kann ich meine siebenköpfige Familie versorgen und die Schulgelder meiner Kinder bezahlen", berichtet Ann Wangari strahlend.
Gemeinsam mit RODI klagte sie eine transparentere Weiterverarbeitung der Bohnen und eine Mindestpreis-Garantie ein. Auch handelten sie aus, dass sie einen Teil ihrer Bohnen frei verkaufen kann. Dies ermöglicht Ann Wangari eine bessere Planung ihrer Einnahmen und Ausgaben.
Vor zwei Jahren hat RODI die Arbeit mit 500 Kaffeekleinbäuer*innen aufgenommen. Seitdem konnte sie ihre Farmen komplett auf organischen Landbau umstellen, Kleintierhaltung und Wasserinfrastruktur konnten gestärkt werden. Der Kaffeeanbau wurde zugunsten des Lebensmittelanbaus eingeschränkt. Auf den Flächen der Farmen wachsen heute neben Kaffeesträuchern auch Obstbäume, Gemüse und bodendeckende Pflanzen wie Bohnen, Wurzel- und Knollenfrüchte.
Die Kleinbäuer*innen werden geschult, an die klimatischen Veränderungen angepasste Techniken des organischen Landbaus anzuwenden und ihre Ackerfläche vielfältig und gemischt zu bepflanzen. Dies wirkt sich positiv auf die Produktion von Lebensmitteln aber auch auf die Ernteerträge beim Kaffee aus. Die Ergebnisse sind ermutigend: die Kleinbäuer*innen konnten ihre Ernte von zwei Kilogramm pro Baum auf etwa sieben Kilogramm erhöhen.
Die eigene Herstellung von organischen Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden verringert zudem die Produktionskosten. Der Gemüseanbau und die Haltung von Milchziegen sorgen zusätzlich dafür, dass täglich ausreichend nährstoffreiche Lebensmittel für die Familien zur Verfügung stehen. Aufgrund von Änderungen in der Kaffeevermarktungspolitik können die Kleinbäuer*innen darüber hinaus rund 20 Prozent ihres Kaffees eigenständig vermarkten und den Preis für diesen Kaffee selbst verhandeln.
Deshalb schult RODI die Kleinbäuer*innen in der direkten Vermarktung ihres Biokaffees und begleitet die Bio-Zertifizierung. Auch die Schulungen zur Weiterverarbeitung der anderen Lebensmittel, die die Kleinbäuer*innen anbauen, werden fortgeführt. Zudem soll in diesem Jahr die Wasserinfrastruktur noch weiter ausgebaut werden.
RODI benötigt 2026 rund 180.000 Euro für Schulungen und Investitionen. 75 Prozent der Kosten übernimmt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wenn wir 45.000 Euro an Spendengeldern beisteuern. Für jede*n Teilnehmer*in sind 18 Euro notwendig. Ihre Spende wirkt vierfach.