Ein Heim für alte Menschen ohne familiäre Unterstützung

Im südindischen Tamil Nadu, nahe der Stadt Tiruvannamalai, hat unser Projektpartner WARM (Welfare Association for the Rural Mass) ein Heim für alte Menschen aufgebaut, die von ihren Familien nicht mehr unterstützt werden. 55 Menschen haben hier ein Zuhause gefunden. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten bringen sie sich in die Begleitung und Ausbildung junger Menschen ein und helfen in weiteren Bereichen der Organisation mit.

Mehr über WARM

WARM wurde mit dem Ziel gegründet, die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung in den Dörfern rund um Thirvannamalai zu verbessern. Heute unterhält WARM in Tamil Nadu 13 informelle Lernzentren für arbeitende Kinder und Straßenkinder und bietet drei Ausbildungsgänge für Schulabbrecher*innen an. Zusätzlich unterhält WARM zwei Heime für Senior*innen und ein Kinderheim sowie eine organische Farm und einen kleinen Milchviehbetrieb. Seit 2001 fördert WARM zudem im Rahmen eines Mikrokreditprogramms Frauen aus ländlichen Regionen in ihrer Selbstständigkeit.

Die gemeinnützige Organisation Welfare Association for the Rural Mass (WARM) wurde 1983 gegründet. Der Gründer und erste Leiter der Organisation verstarb früh. Der heutige Geschäftsführer, K. Rajavelu, begann Ende der 90er Jahre für WARM zu arbeiten. Selbst als Kastenloser geboren, absolvierte er die Volksschule und lernte im Rahmen vieler Fortbildungen weiter. Als Kind war er selbst noch mit der rechtlosen Situation von Kastenlosen konfrontiert.  So musste er mit seinem Vater zu seinem „Besitzer“ gehen, um die Erlaubnis zu erhalten, die Schule zu besuchen. Mittlerweile setzt sich Herr Rajavelu mit WARM für die Verbesserung der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen benachteiligter Gruppen in Tamil Nadu, Südindien, ein.

Rangarajan Drema lächelt verschmitzt und klopft mit seinem Maßband auf den Schneidertisch. Er ist ein würdiger alter Schneidermeister, sicherlich älter als 70 Jahre. Er kommt aus einem Dorf bei Muraiyar, im südindischen Tamil Nadu. Auf der Suche nach Arbeit verschlug es ihn in Indiens Hauptstadt Dehli, später in die Arabischen Emirate. Im Laufe seines Lebens erlernte er fünf Sprachen. Immer lebte er von seinem Beruf. Als seine Kräfte nachließen und er in sein Dorf zu seiner Familie zurückkehrte, wollte diese ihn nicht versorgen. Denn hier zählt jede*r Esser*in.

Die meisten Menschen in dieser Gegend sind Tagelöhner*innen oder Reisbäuer*innen mit Kleinstparzellen. Jahrzehntelanger Anbau in Form von Monokultur hat die Böden ausgelaugt. Die letzten zwei Monsunregen sind ausgefallen und so liegen weite Felder brach – vor allem die Felder der Menschen, die sich keine künstliche Bewässerung leisten können. Wie überall zeigt sich auch hier die moralische und integrative Qualität einer Gemeinschaft am Umgang mit ihren als schwach empfundenen Gruppen. Rangajaran Drema machte sich auf die Suche nach einem Ort für seinen Lebensabend.

Er wurde bei unserem Projektpartner WARM fündig. In zwei Häusern leben zurzeit 55 alte Menschen, und sie beteiligen sich an den anfallenden Arbeiten. So fand Rangajaran Drema nicht nur ein Zuhause, sondern kann sein Können an die Auszubildenden weitergeben. Er lehrt sie, Schnittmuster anzufertigen und richtig Maß zu nehmen. Andere Senior*innen beteiligen sich an der Arbeit auf der Farm von WARM, helfen bei der Küchenarbeit oder hüten Ziegen. Ein Herr und eine Dame umsorgen besonders gebrechliche Mitbewohner*innen. Alle bringen sich gerne ein, soweit ihre Kräfte es ihnen erlauben.

Vor allem alte Frauen leben im Heim. Denn sie werden häufiger von ihren Familien verstoßen als alte Männer. Vielfach hängt dies mit Land- und Eigentumstiteln zusammen, die weit überwiegend in männlicher Hand sind. So lange ein Mann etwas zu vererben hat, wird er von der Familie versorgt. Frauen haben in der Regel nichts zu vererben.

Hier bei WARM fühlt sich Rangarajan Drema wohl. Er ist froh, sein Wissen und seine Lebenserfahrung weitergeben zu können und seinen Lebensabend in Würde zu verbringen. Und während er dies erklärt, leuchtet sein Gesicht.

Für den Betrieb des Senior*innenheims in Amudhasurabi werden rund 37.000 Euro pro Jahr benötigt.

 

Rangajaran Drema bei der Arbeit
Viele der Bewohner*innen bringen sich gerne ein und helfen beispielsweise bei der Ernte