Kultur- und Begegnungszentrum im heiligen Tal der Inkas

Im heiligen Tal der Inkas, auf einer Höhe von etwa 3.100 Metern, liegt Andahuaylillas. Der Ort mit seinen etwa 9.000 Einwohner*innen und seinen Häusern aus Lehm wird malerisch umrahmt von den Bergen der Cordillera de los Andes. Die Mehrheit der Menschen lebt von Feldarbeit und saisonalem Tourismus. Hier möchte unser Partner Q´ewar einen Ort für kulturellen und fachlichen Austausch schaffen.

Mehr über Q´ewar

Im Oktober 2000 beschlossen Lucy Terrazas und Julio Herrera Burgos, sich in Andahuaylillas niederzulassen. Wegen des täglichen Kontaktes mit den Einwohner*innen des kleinen Dorfes entstanden schnell Freundschaften und ein Gespür für die harten Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung. Im Januar 2002 gründeten Lucy und Julio das Q’ewar-Projekt und eröffneten in einem Raum in ihrem Haus die erste Gemeinschaftswerkstatt. In einem offenen Brief fassten Lucy und Julio ihre Motivation so zusammen: „Die Grundmotivation, die zu dieser sozialen Initiative geführt hat, stammt von der Anerkennung, dass wir alle verwandt sind, auch mit den Frauen und Männern, die das Schicksal am schlimmsten getroffen hat. Wir müssen Verantwortung übernehmen, um Ignoranz und Rassismus zu überwinden und Wege zu finden, die sozialen Ungerechtigkeiten um uns herum ins Gleichgewicht zu bringen“.

Im Jahr 2002 gründeten Julio Herrera Burgos und Lucy Terrazas das Q’ewa- Projekt, das heute rund 50 Frauen in Andahuaylillas einen festen Arbeitsplatz bietet. In Handarbeit werden Spielzeugpuppen aus Naturmaterialien hergestellt, die an Einzelpersonen und Firmen auf der ganzen Welt verkauft werden. Die Puppen ermöglichen den Frauen und dem Projekt ein Einkommen. So wird die Bereitschaft, in die Slums der Großstädte abzuwandern, gemindert und das Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen der Frauen gestärkt. Seit 2006 gibt es den Wawa Munakuy Waldorf-Kindergarten, in dem 24 Kinder aus dem Ort in zwei Gruppen betreut werden. Der Kindergarten ist als einziger im Dorf kostenfrei und wird über den Puppenverkauf und Spendengelder finanziert, so dass auch die ärmsten Familien ihren Kindern diese Erziehung ermöglichen können. Die Zukunftsstiftung Entwicklung kooperiert seit 2014 mit Q’ewar.

Der Ort wird malerisch umrahmt von den Bergen der Cordillera de los Andes
Heute arbeiten 28 Frauen in den Werkstätten der Organisation

Andahuayillas ist ein eher verschlafenes Nest jenseits der Touristenmetropole Cuzco. Nur die im 17. Jahrhundert aus Holz errichtete Kirche ist ein überregionaler Anziehungspunkt. Im Cuzco-Stil, dem Barock nachempfunden, steht sie auf dem von alten Zedern umsäumten Marktplatz.
An der einen Seite des Marktplatzes, am Fuß der Kirche, steht auf einer weiß getünchten Hauswand in blauer Schrift: Workshop Waldorf Muñeca, Werkstatt für Waldorf Puppen. In einem Eckhaus, schräg gegenüber der Kirche, befindet sich der Verkaufsraum des Frauenprojektes Q‘ewar. Lucy Terrazas und Julio Herrera Burgos haben es mit sieben Frauen im Jahr 2000 ins Leben gerufen; heute arbeiten 28 Frauen in den Werkstätten der Organisation. In einem einfachen Raum begannen sie mit der Herstellung von Puppen. Alle Handwerks- und Fertigungstechniken haben sie in Eigenregie erlernt, geübt und weiter vermittelt. Auch heute noch gehen Arbeits- und Schulungsschritte Hand in Hand.

Die Puppenmacherinnen verwenden ausschließlich Naturmaterialien. Baum-, Schaf- und Alpakawolle werden eigenhändig sortiert, gewaschen, gesponnen und bei Bedarf mit Pflanzenfarbe gefärbt. Köpfe und Bälge der Puppen werden mit Rohwolle ausgestopft. Auch die Puppenkleidung, sei es lokale oder europäische Mode - mit Spitzen besetzte Unterwäsche, Kleidchen, Höschen, Jäckchen, Hütchen, Täschchen und Schühchen – alles weben, nähen, stricken oder häkeln die Frauen selbst. Mittlerweile werden die Q’ewar-Puppen nicht nur im lokalen Laden, sondern auch in Deutschland, in der Schweiz, den USA, Kanada und Australien verkauft und von Kindern geschätzt.

 

Ehrenamtlicher Einsatz für ein Tal

In den letzten Jahren hat sich Q'ewar zu einem Anziehungspunkt für Menschen entwickelt, die Zeit und Ressourcen für die Verbesserung der Lebensqualität in Andahuaylillas ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Ärzt*innen, Pädagog*innen oder Spezialist*innen für ökologischen Landbau kommen nach Q´ewar, um einige Wochen in dem Dorf in den Hochanden zu verbringen, manche jedes Jahr wieder. Sie veranstalten kostenlose Gesundheitscamps oder stellen den Dorfbewohner*innen neue Konzepte von Agrarökologie, Menschenrechten und Bildungssystemen vor. Für viele der Dorfbewohner*innen sind diese Besuche einmalige Chancen, um medizinische Betreuung oder landwirtschaftliche Beratung zu erhalten. Was fehlt, ist ein geeigneter Ort für diese Begegnungen.

Die positiven Reaktionen und das Engagement vieler Menschen motivierten Lucy Terrazas und Julio Herrera Burgos, eine Begegnungsstätte in der Nähe der Werkstätten einzurichten: El Centro Cultural Q'ewar. Der Bau des Zentrums konnte 2020 starten; es soll sich aus mehreren kleinen Aufenthaltshäusern (Bungalows) und einem Seminargebäude zusammensetzen. Einfache Holzkonstruktionen im Stil der Inka-Architektur sollen sich auf einem Plateau in die majestätische Umgebung der Cordillera einfügen.
Etwa 90 Personen sollen hier die Möglichkeit haben, an Seminaren, Schulungen und Workshops teilzunehmen. Für mehrere Frauen und Männer aus Andahuaylillas und den angrenzenden Dörfern sollen mehrere Arbeitsplätze in der Verpflegung und Betreuung des Zentrums entstehen.

Für den Bau des Kulturzentrums werden noch rund 20.000 Euro benötigt. Hierfür bitten wir um Spenden.

 

Waldorfpuppen im Verkaufsraum der Organisation
Der Bau des El Centro Cultural Q'ewar konnte 2020 starten