Neue ökologische Farben für segensreiche Textilien

Nepal ereilte das gleiche Schicksal wie viele andere Länder auch: Die Entdeckung der Teerfarben vor 160 Jahren besiegelte den Untergang der Jahrtausende alten Tradition des Färbens mit Pflanzen. Das will die Women’s Foundation in ihrer Textilproduktion nun ändern.

Auch bei der Women’s Foundation färben die Weberinnen und Knüpferinnen Garne oder Webstücke mit chemischen Farben. Ihre Arbeit und der Verkauf ihrer Produkte unterhält sie nicht nur selbst, sondern auch die Frauen und Kinder im Frauenhaus der Women’s Foundation.

Mehr über die Women’s Foundation Nepal

Initiatorinnen und Trägerinnen der Women’s Foundation Nepal sind Renu Sharma und Kamala Upreti, die bereits als Soziologiestudentinnen 1988 die Stiftung gründeten. Gemeinsam unterstützen sie Frauen zum Ersten darin, sich ihrer Rechte bewusst zu werden, sie wahr zu nehmen und auf nationaler Ebene einzufordern. Zum Zweiten unterstützten sie Frauen, wirtschaftlich selbständig zu werden.

Die Women’s Foundation Nepal (WFN) wurde 1988 aus einer studentischen Initiative heraus gegründet und setzt sich seither für die Rechte und Lebensbedingungen von Frauen ein.  So bietet sie auf individueller Ebene Frauen und Kindern Schutz in einem Frauenhaus, ermöglicht ihnen Rechtsberatung und Begleitung, eröffnet ihnen Zugang zu Bildung und zu Einkommen schaffenden Maßnahmen, wie auch zu Berufsausbildungen, um sie zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe zu befähigen. Sie betreibt außerdem eine organische Farm, um Lebensmittel für das Frauenhaus und den organisationseigenen Kindergarten zu produzieren. Ökonomisches Herzstück der Women‘s Foundation ist ihre Färberei und Weberei in Boudha, im Kathmandutal. Mit dem Verkauf der produzierten Waren erwirtschaften die rund 83 dort tätigen Frauen ihre faire Bezahlung. Zudem finanzieren die Erlöse anteilig die Betriebskosten für das Frauenhaus und den Kindergarten.
Weitere Programme der Organisation sind Mikrokredite für Frauen, um ihnen einen Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und die Durchführung von Gesundheitscamps mit kostenloser Beratung und Bereitstellung von Medikamenten in abgelegenen Dörfern und armen Vierteln Kathmandus.  
Auf nationaler Ebene setzt sich die Women´s Foundation für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Die Zukunftsstiftung Entwicklung unterstützt die WFN durch Patenschaften für das Frauenhaus und durch die Finanzierung der Organisierung von Gesundheitscamps und Werkstätten, von juristischer Beratung und von Ausbildungsinitiativen (Altenpflege und Öffentlicher Dienst).

In der Werkstatt der Women‘s Foundation werden die Garne gefärbt

Und so verbindet Renu Sharma, die ehemalige Präsidentin der Women’s Foundation, verschiedene Ziele mit der Einführung der Pflanzenfärberei im eigenen Produktionsbetrieb: „Wir hoffen, neue Designs entwickeln zu können und damit auch neue Abnehmer*innen zu finden. Außerdem machen sich einige Frauen, die bei uns im Frauenhaus Zuflucht gesucht haben, nach einiger Zeit selbstständig. Wenn sie als Weberinnen arbeiten, kann ihnen das Pflanzenfärben helfen, im nepalesischen Markt eine Nische für ihre Produkte zu finden.“

Die Pflanzenfärberei ist aber nicht nur eine uralte Handwerkskunst, sie ist auch gerade in der heutigen Zeit eine ökologische Technik zur Herstellung von traumhaften und beständigen Farben. In der Women’s Foundation erinnert man sich wieder dieser alten Tradition und möchte für die Zukunft eine neue, internationale Produktlinie mit ausschließlich pflanzengefärbten Textilien erarbeiten. Es gilt neue Märkte zu erschließen und weitere Arbeitsplätze zu sichern.

Um diese Pläne umsetzen zu können, erhält die Women´s Foundation Unterstützung durch Dieter Kaiser und Christa Laiß, ihres Zeichens hocherfahrene Pflanzenfärber*innen, denn in Nepal sind keine mehr zu finden. Erfolgreich etablierten Dieter Kaiser und Christa Laiß das Färben mit Pflanzen bei unseren Partner*innen in den Hochanden von Peru. Jetzt sind sie bereit, die Frauen der Women´s Foundation zu schulen und gemeinsam mit den Frauen die Werkstätten der Women´s Foundation so auszurüsten, dass die Pflanzenfärberei starten und gelingen kann.

Die Weberinnen erlernen das Beizen von Wolle, Kashmir und Seide sowie die wichtige Auswahl der Pflanzen und deren Handhabung. Letztendlich ist es das Ziel, aus dieser Gruppe drei bis fünf besonders geeignete Frauen auszuwählen und so weit auszubilden, dass sie in der Lage sind, die Werkstatt eigenständig zu führen und das Wissen an weitere Frauen weiterzugeben.

Renu Sharma: „Wir werden dann nicht nur wunderschöne, sondern auch durch und durch umweltfreundliche Schals haben, deren Erlöse wiederum segensreich für unsere Frauen und Kinder wirken.“

In aufwändiger Handarbeit werden die Stoffe bemalt.

Die Schulungen bilden eine Komponente des vom BMZ geförderten Projektes „Innovative Arbeitsmöglichkeiten benachteiligter Frauen in Nepal.“

Als Eigenanteil sind für die Schulungen der Frauen, die Ausstattung und die Pflanzenfarben sind rund 7.640 Euro nötig.