Ein Rückgrat für ländliche Entwicklung und Gesundheit

Während der jahrelangen Vergabe von Mikrokrediten zur Einkommensicherung - insbesondere an Frauen aus niederen Kasten - stellte Lata Sharma, Leiterin von RESIC (Rural Economic Social Improvement Centre) fest, dass die Gesundheitsvorsorge, als ein weiteres Problem, dringend der Lösung bedarf.

Voller Eifer stürzte sie sich gemeinsam mit ihren Mitstreiter*innen bei RESIC in den Aufbau einer Basisgesundheitsversorgung für marginalisierte Gruppen. Seitdem wächst das Programm stetig. Mittlerweile umfasst es ein gemeindebasiertes Diagnose- und Gesundheitszentrum in Nepalgunj mit einem kleinen Labor sowie jährliche Gesundheitscamps in ländlichen Gemeinden.

Mehr über RESIC

RESIC (Rural Economic Social Improvement Centre), Zentrum für wirtschaftliche und soziale Verbesserungen im ländlichen Raum, hat seinen Sitz in der west-nepalesischen Provinz Nepalgunj. Seit vielen Jahren ist die Organisation erfolgreich im Bereich der Mikrokreditfinanzierung sowie im Gesundheitssektor tätig. Diese Initiativen kommen insbesondere den Ärmsten der Armen, einschließlich Kleinbäuer*innen und Tagelöhner*innen, sowie Frauen zugute. Insbesondere durch den von RESIC angebotenen Mikrokreditdienst gewinnen vornehmlich arme Frauen aus städtischen und ländlichen Gemeinden. Für sie ist die finanzielle Unterstützung durch RESIC die einzige Möglichkeit, eigene wirtschaftliche Aktivitäten zu starten und ihren sozialen Status sowie den ihrer Familien zu verbessern.
Seit 2009 ist RESIC Projektpartner der Zukunftsstiftung Entwicklung.

1992 gründete die Sozialarbeiterin Lata Sharma das Rural Economic Social Improvement Center (RESIC). Bis 2001 arbeitete sie zudem als Mitarbeiterin in einem von der Weltbank geförderten Mikrokreditprogramm. 2001 initiierte sie dann bei RESIC ein selbstverwaltetes Mikrokreditprogramm für Frauen, das eine starke Bildungskomponente beinhaltet. Grundlage waren ihre Erfahrungen bei der Weltbank. 2010 ergänzte sie die Aktivitäten von RESIC um ein Basisgesundheitsprogramm.

Ein Diagnose- und Gesundheitszentrum für marginalisierte Gruppen

Seit 2018 ist das Gesundheitszentrum samt angeschlossenem Labor beim zuständigen Gesundheitsamt registriert. Das Zentrum bietet insbesondere den Angehörigen niederer Kasten sowie den so genannten Kastenlosen eine kostenlose Basisgesundheitsversorgung, die ihnen an anderer Stelle verwehrt bleibt. Zuvor haben viele der armen Bewohner*innen von Nepalgunj medizinische Hilfe nur dann ersucht, wenn es aufgrund eines Notfalls oder einer verschleppten Krankheit nicht mehr möglich war, dem täglichen Leben oder der Arbeit nachzugehen.
Viele der Krankheiten, die im Gesundheitszentrum von RESIC behandelt werden, sind mithilfe regelmäßiger Kontrollen und kostengünstiger Medikamente gut in den Griff zu bekommen. Zu den häufigsten Krankheiten zählen zum Beispiel Entzündungen der Magenschleimhaut, Wurmbefall, Bluthochdruck, Entzündungen der Augen, Harnwegsinfektionen und Verstopfungen. Zu einigen häufig auftretenden Krankheitsbildern richtet RESIC in regelmäßigen Abständen Aufklärungsveranstaltungen aus („Awareness-Workshops“), um die Menschen über die Ursachen ihrer Symptome aufzuklären und Vorschläge für die Verbesserung ihrer Gesundheit zu liefern.

2020 konnten die Mitarbeiter*innen des Gesundheitszentrums knapp 3.000 Patient*innen behandeln. Ungefähr zwei Drittel der Patient*innen sind Frauen. Da sie häufig kein eigenes Einkommen haben, profitieren sie in besonderem Maße von dem kostenlosen Angebot.
Dr. Netra Banjadhe ist einer der Ärzte, die das Zentrum unterstützen; er arbeitet außerdem am Nepalgunj Medical College: „Ich bin stolz darauf, Teil der wirtschaftlichen und sozialen Verbesserung des ländlichen Raums zu sein. Dieses Zentrum bietet Hilfe für arme Menschen, die sich keine Medikamente kaufen oder Gesundheitsuntersuchungen leisten können, geschweige denn Blutuntersuchungen. Es ist also ein Rückgrat für die ländliche Entwicklung und für eine gute Gesundheit.“

Besonders Frauen profitieren von der kostenfreien Gesundheitsversorgung durch RESIC

Gesundheitscamps für ländliche Bevölkerung

Viele der Patient*innen leiden an entzündlichen Augenerkrankungen

Häufig gibt es für Menschen, die in ländlichen Gebieten wohnen, im Zugang zu medizinischer Versorgung große Hürden. Damit RESIC auch diese Menschen erreicht, veranstaltet die Organisation mehrmals im Jahr Gesundheits-Camps in dörflichen Gemeinschaften rund um Nepalgunj. Viele der Besucher*innen sind Landarbeiter*innen, Kleinbäuer*innen oder gehören ethnischen oder religiösen Minderheiten an.

Im Rahmen der Camps bietet RESIC allgemeine Check-ups an, sowie spezielle Augenuntersuchungen. Viele der Menschen leiden aufgrund saisonaler Allergien, des trockenen Staubs oder unzureichender Hygienemaßnahmen (z. B. wegen fehlenden sauberen Wassers) an entzündlichen Augenerkrankungen. Von den Mitarbeiter*innen erhalten sie neben der kostenlosen Untersuchung auch kostenfreie Medikamente.
2020 weitete das Zentrum die Behandlung auf Tests zu COVID-19 und Aufklärungskampagnen zum Umgang mit dem Virus aus.

Für die Basisgesundheitsversorgung durch RESIC für marginalisierte Bevölkerungsgruppen in Nepalgunj und den umliegenden Gemeinden werden jährlich rund 15.000 Euro benötigen.