Binden selbst genäht - Schulfehlzeiten reduziert

Fertigkeiten im Schneidern und Aufklärungsunterricht erleichtern den Alltag von Mädchen.

Laut einer Studie versäumen Schülerinnen in Uganda durchschnittlich 11% der Unterrichtszeit. Grund ist das Fehlen von Binden oder anderer Hygieneartikel während der Menstruation. Eine Gruppe ernster Mädchen und Jungen steht vor einer Pinnwand im Werkraum der Nambeeta-Schule. An der Pinnwand sind mehrere rosa, etwa zwölf Zentimeter lange und fünf Zentimeter breite Stoffe mit seitlichen Flügelchen angebracht. Sie erinnern an Kreuze. Gloria tritt vor und erklärt: Es seien die ersten selbstständig hergestellten, waschbaren Binden.

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Seit 1996 arbeitet Youth Action for Rural Development Uganda, YARD Uganda, mit dem Ziel, die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen in ländlichen Gemeinden durch Bildung, Ernährungssicherheit, verbesserte Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, Schaffung von Einkommen und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen zu verbessern. YARD koordiniert im Schulen-Projekt acht Partnerorganisationen, die auch Mitglied im Green Light Forum sind.

Das Green Light Forum ist ein Bündnis von mehreren ugandischen Partnerorganisationen der Zukunftsstiftung Entwicklung und setzt seit 2016 großangelegte Vorhaben zur Verbesserung der Lebensgrundlagen von Kleinbauernfamilien in Zentral- und Westuganda um. Derzeit beteiligen sich mehrere Grund- und Berufsschulen an einem Projekt mit dem Ziel, in den nächsten vier Jahren 3.570 junge Menschen in organischem Landbau und anderen praktischen Fähigkeiten auszubilden. YARD Uganda (Youth Association for Rural Development, eine gemeinnützige NRO) hat die Leitung; acht Bildungsinstitutionen nehmen teil. Die Zielgruppe lebt in marginalisierten, ländlichen, überwiegend Subsistenzwirtschaft betreibenden Weilern, Dörfern und größeren Gemeinden. Über zwei Ausbildungsstätten mit insgesamt drei Standorten werden rund 1.050 junge Menschen erreicht. Über sechs beteiligte Landschulen werden 520 Schulabbrecher erreicht, die ebenfalls in Einkommen schaffenden Maßnahmen und organischem Landbau ausgebildet werden und so eine Grundlage für ihr weiteres Leben finden können. Weiterhin werden die rund 2.000 regulären Schüler*innen der beteiligten Grundschulen auch in Gartenbau, Backen, Klimaschutz und Aufforstung sowie Kleintierzucht und -haltung unterrichtet.

Mädchen und Jungen der Landschule lernen ab der sechsten Klasse, wie Binden zu nähen und zu nutzen sind. Der Unterricht ist Teil der Aufklärung und Gesundheitsvorsorge, die die Lehrer*innen der Schule leisten. Die Schulkinder kommen aus Kleinbauernfamilien. Geld ist sehr knapp und wird nur selten für Hygieneartikel wie Binden für Mädchen und Frauen eingesetzt. Jungen und Mädchen werden gemeinsam unterrichtet, damit auch die Jungen die Bedeutung der Periode wie die Notwendigkeit, Hygieneartikel nutzen zu können, verstehen lernen. Für die Mädchen ist diese Notwendigkeit ohnehin jeden Monat klar, denn weit überwiegend bleiben sie während der Monatsblutung der Schule fern, da sie keine Hygieneprodukte haben. Durch die monatlichen Fehlzeiten werden sie von ihren Mitschülern abgehängt. Resultat ist, dass viele Mädchen schlecht bei den landesweiten Examina abschneiden oder sogar die Schule abbrechen.

Dem wollen unsere sechs Partnerschulen in Uganda durch das Programm „Binden selbst genäht“ begegnen. Eine Grundausstattung mit Nähmaschinen ist an den Schulen vorhanden. Jedoch müssen regelmäßig neue Verbrauchsmaterialien gekauft werden, sowie Töpfe, die die Mädchen erhalten, um die Stoffbinden auszukochen.  

Nähnadeln, Nähgarn, Scheren, Knöpfe, wie auch kochbare Baumwollstoffe und saugfähige Stoffe für die Einlage der Binden, sind für ugandische Verhältnisse kostspielig. Material für ein Set von vier bis fünf Binden beläuft sich auf rund 2,00 Euro. Dazu kommt für jedes Mädchen ein robuster Kochtopf zum Waschen der Binden für 7,50 Euro. Bei rund 100 Schülerinnen in den höheren Klassen an unseren Partnerschulen sind dafür jährlich rund 950 Euro an Verbrauchsmaterialien notwendig.

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