Regenwaldschutz und Bodenerhalt

Durch den Erwerb von Fläche Regenwald schützen und Biodiversität erhalten.

Mitten im Regenwald, im peruanischen Amazonasgebiet, liegt Tamshiyacu. Die Gemeinde ist nur mit dem Motorboot von Iquitos aus zu erreichen. Anderthalb Stunden dauert die Reise flussaufwärts. Hier arbeitet unser Partner ACELPA. Die unglaublich vielseitige Flora und Fauna lösen beim Besucher ein starkes Gefühl der Naturverbundenheit aus, die Geräuschkulisse ist schlichtweg beeindruckend. Roh, gewaltig und doch harmonisch schön, so klingt die Symphonie des Regenwaldes, die von den im dichten Grün lebenden Tieren in großer Vielfalt orchestriert wird. Ebenso charakteristisch ist die Amazonasluft, die schwer und durchdringend für eine Dauerbefeuchtung sorgt.

Mehr über ACELPA

Francisco Tananta ist im Amazonasurwald von Tamshiyacu geboren und aufgewachsen und tief geprägt von der Spiritualität des Gebietes und dem Wissen um lokale naturheilkundliche Medizin. Er arbeitet unter anderem mit Consuelo Garcia Hualinga, vierfacher Mutter und ebenfalls zutiefst verbunden mit dem Ort und Angelika Kotzur, einer Heilpraktikerin aus Deutschland, zusammen. In Tamshiyacu in der Region Loreto begann im Jahr 2013 die illegale Abholzung von rund 3.000 Hektar Wald für einen internationalen Kakaokonzern über Nacht. Die drei Widerständigen suchten und fanden lokale und internationale Bündnispartner*innen und begannen ihre erfolgreiche Aufklärungsarbeit zum Schutz des Urwaldes.

Asociación Civil Puente de la Amistad - Verein Brücke der Freundschaft, ACELPA - ist ein 2011 gegründeter gemeinnütziger Verein aus Tamshiyacu im Amazonasgebiet von Peru. Gegründet wurde die Organisation von Francisco Tananta, ursprünglich als Stipendienorganisation für die Ausbildung von Jugendlichen. Heute engagiert sich ACELPA vor allem im Umwelt- und Naturschutz. Auslöser war die illegale Abholzung von 3.000 Hektar Regenwald durch ein multinationales Kakaounternehmen. Immer im Bewusstsein, dass der Schutz des Gebietes nur gelingt, wenn die Menschen vor Ort mit ihm auch eine Lebensperspektive verbinden können, ist das Ziel der Organisation, strategisch Land zu kaufen, um die Ausweitung der illegalen Rodungen des Regenwaldes zu verhindern. Gleichzeitig sollen für Bauern und Bäuerinnen der Region alternative Einnahmequellen durch Ausbildung in Permakultur und biodynamischer Landwirtschaft erschlossen werden. ACELPA schützt die gekauften Waldflächen, schafft Öffentlichkeit und kooperiert auch mit Organisationen in der Hauptstadt Lima, um politischen Druck zu erzeugen. ACELPA ist seit 2015 Partnerorganisation der Zukunftsstiftung Entwicklung.

Dichter Regenwald, oder wie hier fruchtbare Flusstäler, charakterisieren das Amazonasgebiet um Tamshiyacu. Die Gemeinde ist nur mit dem Boot über Iquitos zu erreichen.

Leider ist in Tamshiyacu, wie in vielen Teilen Amazoniens, die Unversehrtheit des Regenwaldes durch das multinationale Unternehmen Tamshi S.A.C. bedroht. Es holzte 2.000 Hektar Wald illegal ab, um – nach eigenen Angaben – Kakaobäume zu pflanzen. Zwar wurde ein Verbot vom peruanischen Landwirtschaftsministerium verhängt, doch wird dem kaum Beachtung geschenkt. Staatliche Ignoranz und korrupte Regierungsverteter*innen lassen die Gefährdung des Regenwaldes und den Landraub zu. Francisco Tananta gründete daher 2014, gemeinsam mit 18 anderen Familien, die Naturschutzorganisation ACELPA.

Seit der Gründung erwirbt ACELPA, gefördert durch Spenden, Landparzellen, die an die Flächen von Tamshi S.A.C. angrenzen. Dadurch wird die Ausbreitung des Unternehmens verhindert und strategisch zum Schutz des Regenwaldes beigetragen. Schließlich ist ohne Zugang zu den Waldgebieten nicht nur die Abholzung, sondern auch die Einrichtung von Trassen für den Transport von Holz unmöglich. ACELPA hat bereits 1.407 Hektar Regenwaldfläche gekauft. Das dafür festgelegte Verfahren schließt die Begehung und Vermessung durch einen Forstwissenschaftler, die notarielle Beglaubigung einer Kaufurkunde sowie die Registrierung des neuen Grundstückbesitzers (ACELPA) beim Grundbuchamt mit ein.

Parallel dazu arbeitet ACELPA gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation AMPA daran, die erworbenen Flächen in eine Gemeingut Naturschutzzone umzuwandeln. So würde auf Dauer die Unantastbarkeit der erworbenen Regenwaldflächen garantiert. Dazu müssen in den kommenden Jahren verschiedene Kriterien erfüllt werden, zum Beispiel die fachkundige Auflistung der auf den erworbenen Waldflächen existierenden Flora und Fauna. Langfristig könnten in der Naturschutzzone gemeindebasierter, nachhaltiger Tourismus und Forschungsreisen angeboten werden.

Sie engagieren sich für den Erhalt ihres Lebensraumes: Die Mitglieder von ACELPA nach einer Versammlung.

Schulungen im biodynamischen Landbau statt Wanderfeldbau und Brandrodung
Bei ACELPA geht der Regenwaldschutz Hand in Hand mit der Entwicklung von tragfähigen Lebensperspektiven in der Region. Die Mehrheit der in Tamshiyacu ansässigen Menschen lebt in Armut und betreibt Brandrodung mit Wanderfeldbau. Die Humusschicht im Regenwald ist dünn und schnell wird der Boden unfruchtbar. Die kleinen, zumeist für Subsistenzwirtschaft gerodeten Waldflächen können nur wenige Jahre intensiv genutzt werden. Anschließend wird ein neues Stück Land brandgerodet.

Vor diesem Hintergrund hat ACELPA eine 20 Hektar große Fläche zu einer Modell- und Schulungsfarm ausgebaut. Die Mitarbeiter*innen von ACELPA haben hier heimische Heilpflanzen, Obst- und Gemüsesorten angebaut und betreiben eine artgerechte Hühner-, Fisch- und Bienenzucht. In den letzten Jahren arbeiteten sie mit biodynamischen Präparaten und Kompost am Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Es zeigte sich, dass bei dieser Pflege die Fruchtbarkeit der Böden erhalten bleibt und das gleiche Stück Land langfristig bewirtschaftet werden kann.

Nun möchten die Mitarbeiter*innen von ACELPA durch eine Schulungsreihe weiteren Bäuer*innen aus Tamshiyacu tragfähige Wege biodynamischen Anbaus vermitteln, um ein Leben im Einklang mit der Natur zu ermöglichen und auf die Brandrodungspraktiken verzichten zu können. Dazu will Juan Arce, ein erfahrener Ausbilder biodynamischen Landbaus, im Verlauf eines Jahres vier fünftägige Seminare anbieten, an denen jeweils rund fünfzig Menschen teilnehmen können. Auf dem Lehrplan stehen: Kompostieren, Anwendung biodynamischer Präparate, Fruchtfolgen, Heilpflanzen sowie die Vermarktung der Lebensmittel auf lokalen und regionalen Märkten.

Für diese Schulungen werden insgesamt 7.600 Euro gebraucht. Für jede teilnehmende Person sind das pro Seminar und Workshop 38 Euro.

Juan Arce, Ausbilder bei ACELPA, während eines seiner Seminare zu biologisch-dynamischem Landbau.