Verbindungen schaffen

Bishnu Prasad Pokhrel: „Organischer Landbau und auf Ausgleich bedachte Strukturen gehören zusammen.“

„Der organische Landbau ist gerade in Nepal, wo die Felder häufig sehr klein sind, ein guter Weg, um im Einklang mit der Natur hochwertiges und gesundes Gemüse anzubauen, eine artgerechte Tierhaltung zu fördern und die Bäuer*innen vor schädlichen Pestiziden zu schützen“, sagt Bishnu Prasad Pokhrel. In unserem Gespräch wird deutlich: Dieser Mann weiß, wovon er spricht.

Bishnu Basad Pokhrel im Gespräch mit Bäuer*innen in Dhading. Er verfügt über ein breites Netzwerk an Kontakten, auf das er nun für die Unternehmensgründung zurückgreift.

Geboren im Süden Nepals, in Chitwan, kann Bishnu (42) heute auf 22 Jahre Erfahrung als Agrartechniker im organischen Landbau zurückblicken. Den größten Teil dieser Zeit hat er bei der Organisation SECARD, einer langjährigen Partnerorganisation der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung, verbracht. Dort hat er Projekte mitentwickelt, aber vor allem hunderte von Bäuer*innen in Gruppen organisiert, motiviert und in den unterschiedlichsten Aspekten des organischen Landbaus ausgebildet.

So haben in der Region Dhading, ca. 100 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, hunderte Bäuer*innen auf organische Landwirtschaft umgestellt. Sie erzielen hervorragende Ergebnisse beim Anbau von Gemüse und Saatgut und erzeugen qualitativ hochwertige Lebensmittel in großen Mengen. Das rückt die Frage einer professionellen und gerechten Vermarktung dieser Erzeugnisse zunehmend in den Blick. Denn die Bäuer*innen decken zwar ihren Eigenkonsum, können aber ihre Überschüsse kaum vermarkten, weil Kontakte zu Abnehmer*innen fehlen und der Transport schwierig ist. Verstärkt wurde die Situation noch durch die Corona-Pandemie mit wiederholten Lockdowns.

So reifte bei Bishnu Pokhrel in den letzten zwei Jahren die Idee, die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen. Er möchte ein Unternehmen gründen, das nepalweit mit organischen Gemüsebäuer*innen zusammenarbeitet, deren Produkte prüft und an Abnehmer*innen verteilt. An den Erträgen will er die Bäuer*innen angemessen beteiligen. Zudem sollen ihnen, in Kooperation mit SECARD, weiterhin Fortbildungen angeboten werden, mit dem Ziel, sich kontinuierlich im organischen Landbau weiterzubilden.

Mit Blick auf die Seite der Abnehmer*innen und den Markt ist Bishnu überzeugt, dass es eine wachsende Nachfrage für organisch erzeugte Lebensmittel gibt, vor allem in Nepals Städten. „Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und für den sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen ist gerade bei der jüngeren Bevölkerung vor dem Hintergrund einer besseren Bildung und angesichts zunehmender Zivilisationskrankheiten und Naturkatastrophen deutlich gestiegen“, so Bishnu Pokhrel.

Bishnu Pokhrel (hier mit seiner Frau) will die Vermarktung organisch erzeugter Lebensmittel selbst in die Hand nehmen.

Über die Unternehmensgründung Verbindungen schaffen

Derzeit bereitet Bishnu alles für die Gründung solch eines Unternehmens vor und greift dabei auf ein breites Netzwerk an Kontakten zurück. Er brütet über der Frage zur besten Rechtsform, da es bislang in Nepal kein Unternehmensmodell mit breiter Gesellschafterbeteiligung gibt. Er recherchiert Transport- und Absatzwege und führt eine umfassende Marktforschung durch. Bis zum Herbst will er diese Phase abschließen. Sein Ziel ist es, ein tragfähiges Unternehmenskonzept mit Finanzierungsplan auszuarbeiten, bevor er dann mit der konkreten Umsetzung startet. Dass Bishnu für seinen Traum brennt, daran lässt er keinen Zweifel. Wenn er etwas Entspannung braucht, geht er auf seinen Dachgarten, den er gemeinsam mit seiner Frau betreibt – natürlich mit organisch erzeugtem Gemüse. Die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung will Bishnu Pokhrel auf dem Weg der Unternehmensgründung begleiten. Nur eine gute Vermarktung lässt den organischen Landbau in Nepal wachsen, führt zu mehr Naturerhalt und zu einer gesünderen Ernährung.

Bishnu Pokhrel lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kathmandu. Während der Gründungsphase seines Unternehmens steht er der Organisation SECARD weiter als Berater zur Verfügung. Mit seiner Idee, eine eigene Firma zu gründen, die organisch angebaute Produkte vermarktet, erfüllt er sich seinen Lebenstraum als sozial engagierter Unternehmer aktiv zu werden.

Für diese Phase der Unternehmensgründung, für rechtliche Beratung, Marktstudien und dergleichen sind insgesamt 7.500 Euro notwendig.