Perspektiven jenseits der Landflucht

Indiens Bevölkerung wächst - im Jahr 2019 um beinahe 18 Millionen Menschen. Gleichzeitig wird fruchtbares Land immer weniger. Rund 30 Prozent des Ackerlandes sind inzwischen Ödland; zugleich hängen 70 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft ab. Inspiriert von dem indischen Biodynamiker Jakes Jayakaran erarbeiten unsere Partner*innen von Timbaktu Collective beispielhafte Lösungswege aus dieser Krise.

Mehr über Timbaktu Collective

Mary Vattamattam und Choitresh Kumar (Bablu) Ganguly setzen sich seit 1978 für Adivasi ein, eine genossenschaftliche Selbstorganisation von Adivasi, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Landlosen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh.
1990 gründeten beide Timbaktu Collective. Ihr Ziel ist, die Menschen in ländlichen Gemeinden zu befähigen, ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten und in sozialer, geschlechtsspezifischer und ökologischer Harmonie ein nachhaltiges Leben in Würde führen zu können.

Timbaktu Collective arbeitet als gemeinnützige Basisorganisation mit Bewohner*innen von 182 Dörfern in acht Distrikten des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh zusammen. Andhra Pradesh gilt als einer der ärmsten Bundesstaaten Indiens. Die Arbeitsbereiche umfassen: Umweltschutz und (Wald-)Regeneration, biodynamische/permakulturelle Landwirtschaft, partizipative Selbstverwaltung und Stärkung von Genossenschaften, Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Durchsetzung der Rechte von Frauen. Timbaktu Collective stand Pate beim Aufbau von vier Genossenschaften, in denen 27.150 Kleinbauernfamilien aus 175 Dörfern organisiert sind. In einer der Genossenschaften haben sich 22.633 Frauen zusammengeschlossen. Bei Timbaktu Collective arbeiten 140 Mitarbeiter*innen. Die Zusammenarbeit mit der Zukunftsstiftung Entwicklung begann 2018 und konzentriert sich auf die Gründung und den Aufbau des Colleges für biodynamischen/permakulturellen Landbau.

Bablu Ganguly ist Leiter der Organisation in Andra Pradesh. Seit vielen Jahren setzt er sich für den Erhalt von verschiedenem Hirsesaatgut ein, sowohl in Bezug auf die Vielfalt der Saaten als auch auf ihre Erntemengen. Seine Initiative Timbaktu Collective konnte in den letzten Jahren den kleinbäuerlichen organischen Anbau von verschiedenen Hirsesorten auf 344 Tonnen jährlich ausbauen. Diese Sorten bieten den großen Vorteil, dass sie trockenresistenter und nahrhafter sind als zum Beispiel Weizen.

Sein Wissen und das vieler anderer Pionier*innen möchte Bablu Ganguly weitergeben: „Mit der Arbeit unserer Organisation und dem Aufbau unserer Kooperative Dharani haben wir gezeigt, dass kleinbäuerliche organische Landwirtschaft tragfähig ist. Wir wollen dieses Wissen mit der Einführung von biodynamischer Landwirtschaft weiter stärken“. Am 14. Oktober 2019 konnte Timbaktu Collective ein biodynamisches College in der kleinen Gemeinde Kailasam feierlich eröffnen. Es ist das erste seiner Art im südlichen Indien.

Die Auszubildenden ziehen eigene Pflanzen und Bäume heran
Um ihren Eigenbedarf zu decken, haben die Auszubildenden einen Küchengarten angelegt

Ein Weg in eine neue Landkultur

Eine zweijährige landwirtschaftliche Ausbildung in permakulturellen, organischen und biodynamischen Techniken an dem neuen College soll die Zyklen der Armut und der Abhängigkeit von konventioneller Landwirtschaft durchbrechen. Ziel ist, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Weg zu einer biodynamischen und permakulturellen Landwirtschaft zu öffnen, die wirtschaftliche Selbstständigkeit ermöglicht.

Pro Ausbildungsgang gibt es zurzeit 20 Plätze. Junge Frauen und Männer mit einem Volksschulabschluss, meist im Alter von 18 bis 24 Jahren, können an der Ausbildung teilnehmen. Die Lerninhalte verbinden Biodynamik mit indigenem Wissen und moderner Technik. Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, die Verfügbarkeit von eigenem, angepasstem Saatgut, die Herstellung natürlicher Insektizide und Pestizide, nachhaltiges Wassermanagement und Buchhaltung sind die Schwerpunkte. Kleinbäuerliche Landwirtschaft soll wieder tragfähig werden. Jakes Jayakaran, der biodynamische Berater, ist sich sicher, dass auf diesem Weg eine lebenswerte, bewahrende Landkultur entstehen kann.

Vorläufig ausfinanziert

Derzeit werden für Timbaktu Collective keine weiteren Spenden benötigt. Gerne können Sie aber für ein anderes Projekt aus dem Bereich organischer Landbau spenden! Für mehr Informationen schauen Sie bitte

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