Öffentliches Wirken und privates Pflegen

In zwei gesellschaftlichen Bereichen in Nepal gibt es eine große Nachfrage nach Arbeitskräften: in der öffentlichen Verwaltung und in der häuslichen Pflege und Begleitung älterer Menschen. Doch es mangelt an ausgebildeten Menschen, die dies wahrnehmen können. Eine neue Ausbildungsinitiative der Women´s Foundation (kurz: WFN) bietet Lösungen.

Die moderne nepalesische Verfassung sieht eine Frauenquote von 45% im öffentlichen Dienst vor. Das ist fortschrittlich und der Anteil an Frauen im öffentlichen Dienst ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Doch machen es ein tradiertes Rollenverständnis, wirtschaftliche Abhängigkeit und mangelnde Bildung Frauen deutlich schwerer, den Staatsdienst aufzunehmen. An der vorgeschriebenen Aufnahmeprüfung scheitern bei weitem mehr Frauen als Männer, weil sie für die Vorbereitung auf die Prüfung nicht die gleiche Unterstützung erfahren, Familie und Kinder betreuen und weil sie in der Prüfungssituation oft unsicherer sind als ihre männlichen Mitbewerber. Deshalb will die Womens´ Foundation einen Qualifizierungs- und Vorbereitungslehrgang starten, um Frauen auf die Prüfung für den öffentlichen Dienst in Nepal vorzubereiten.

Mehr über die Women’s Foundation Nepal

Initiatorinnen und Trägerinnen der Women’s Foundation Nepal sind Renu Sharma und Kamala Upreti, die bereits als Soziologiestudentinnen 1988 die Stiftung gründeten. Gemeinsam unterstützen sie Frauen zum Ersten darin, sich ihrer Rechte bewusst zu werden, sie wahr zu nehmen und auf nationaler Ebene einzufordern. Zum Zweiten unterstützten sie Frauen, wirtschaftlich selbständig zu werden.

Die Women’s Foundation Nepal (WFN) wurde 1988 aus einer studentischen Initiative heraus gegründet und setzt sich seither für die Rechte und Lebensbedingungen von Frauen ein.  So bietet sie auf individueller Ebene Frauen und Kindern Schutz in einem Frauenhaus, ermöglicht ihnen Rechtsberatung und Begleitung, eröffnet ihnen Zugang zu Bildung und zu Einkommen schaffenden Maßnahmen, wie auch zu Berufsausbildungen, um sie zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe zu befähigen. Sie betreibt außerdem eine organische Farm, um Lebensmittel für das Frauenhaus und den organisationseigenen Kindergarten zu produzieren. Ökonomisches Herzstück der Women‘s Foundation ist ihre Färberei und Weberei in Boudha, im Kathmandutal. Mit dem Verkauf der produzierten Waren erwirtschaften die rund 83 dort tätigen Frauen ihre faire Bezahlung. Zudem finanzieren die Erlöse anteilig die Betriebskosten für das Frauenhaus und den Kindergarten.
Weitere Programme der Organisation sind Mikrokredite für Frauen, um ihnen einen Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und die Durchführung von Gesundheitscamps mit kostenloser Beratung und Bereitstellung von Medikamenten in abgelegenen Dörfern und armen Vierteln Kathmandus.  
Auf nationaler Ebene setzt sich die Women´s Foundation für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Die Zukunftsstiftung Entwicklung unterstützt die WFN durch Patenschaften für das Frauenhaus und durch die Finanzierung der Organisierung von Gesundheitscamps und Werkstätten, von juristischer Beratung und von Ausbildungsinitiativen (Altenpflege und Öffentlicher Dienst).

Bisher werden die Frauen in traditionellen Techniken ausgebildet (wie hier im Färben), nun sollen neue Ausbildungen hinzukommen

Hintergrund des zweiten Ausbildungsgangs ist die Tatsache, dass auch in Nepal der demografische Wandel die Gruppe der älteren Menschen deutlich wachsen lässt. Zugleich befinden sich viele junge Nepalesen im Ausland, so dass häufig die traditionelle Versorgung der Elterngeneration nicht mehr gewährleistet ist. Der Wunsch, dass die Eltern trotz dieser Situation gut und professionell betreut werden, wurde häufig an die Women‘s Foundation herangetragen. Eine entsprechende Ausbildung als Alltagsbegleiter*in wie bei uns oder in anderen westlichen Ländern gibt es in Nepal aber nicht. Ein Ausbildungskurs, der Kenntnisse in Haushaltsführung, Körperpflege und Ernährung vermittelt und zusätzlich auch Praktika in verschiedenen Einrichtungen vorsieht, soll diese Lücke schließen. Die ausgebildeten Frauen sind dann von der Regierung zertifizierte „Personal Support Worker“, die professionell für einen angemessenen Lohn arbeiten.

Die Women´s Foundation Nepal - ein starkes Team, das seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen im Land kämpft.

In der ersten Pilotphase von 2021 bis 2023 werden beide Kurse zweimal durchgeführt, so dass insgesamt 100 Frauen teilnehmen können, die sowohl aus den Städten als auch vom Land kommen. Sie leisten einen Eigenbeitrag von 3.000 nepalesischen Rupien (rund 22 Euro pro Kurs). Nach dem Kurs ist daran gedacht, ein Alumni-Netzwerk aufzubauen, damit sich die Frauen wechselseitig Rat gebend zur Seite stehen können.

Beide Ausbildungen sind innovativ und damit auch ein Wagnis. Doch sie tragen dem Wandel der nepalesischen Gesellschaft Rechnung und verharren nicht in dem, was Frauen an Trainingsmöglichkeiten bereits über Jahrzehnte angeboten wurde. Und sie sind zukunftsgerichtet, da der Wandel der nepalesischen Gesellschaft sich weiter fortsetzen wird. Alles in allem gute Voraussetzungen, um die Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Daseinsvorsorge von Frauen in Nepal auch langfristig zu fördern.

Pro Kurs und Auszubildender sind in der Pilotphase rund 1.150 Euro notwendig. Das Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung befördert. So wirkt Ihre Spende vierfach!